Ein Tracktool, befeuert von einem freisaugendem V12-Motor und über 750 PS, so radikal, dass es nicht mal auf die Straße darf, klingt fast ein bisschen zu cool für 2017. Dass es trotzdem Firmen gibt, die gegen den Trend von Hybrid-Hypercars und Elektromobilität gehen und die Herzen echter Racing-Fans höherschlagen lassen, beweist der chinesische Hersteller Apollo.

Der Name Apollo wird jeden Sportwagen-Fan an das von 2005 bis 2013 gebaute Hypercar Gumpert Apollo erinnern, was aus einer (zugegeben ziemlich coolen) Laune des ehemaligen Audi-Motorsport-Chefs Roland Gumpert entstand. Ein ziemlich gewöhnungsbedürftiges, kompromisslos auf Aerodynamik ausgelegtes Design sorgte damals dafür, dass der Apollo ab 270 km/h so viel Abtrieb produziert hätte, um an einer Tunneldecke zu fahren. Und mit den für viele Autos unerreichbaren 270 km/h hat der in der Straßenversion bis zu 780 PS starke V8-Motor keinerlei Probleme.

2013 ging die Sportwagen-Manufaktur um Roland Gumpert pleite und der autoverrückte Geschäftsmann Norman Choi fackelte nicht lange und kaufte das angeschlagene Unternehmen, um seinen Traum vom eigenen Hypercar zu erfüllen. Hierzu holte sich Choi ein Team aus jungen Ingenieuren, Designern und Technikern, aber auch Mitsiebzigern mit entsprechender Erfahrung im Automobilbau ins Boot.

Einen ersten Ausblick auf das Ergebnis gab das Team um Choi auf dem Genfer Autosalon 2016 mit dem Konzept „Apollo Arrow“. Jetzt, über ein Jahr später, lässt Choi die Katze aus dem Sack und präsentiert das finale Ergebnis seiner Arbeit.

Das 2,3 Millionen Euro teure und auf weltweit 10 Exemplare limitierte Hypercar wird auf den vielversprechenden Namen Apollo Intensa Emozione hören. Die italienische Modellbezeichnung dient nicht alleine dem guten Klang, sondern hat seine Gründe.

Ein vom Ferrari F12 übernommener, aber von Autotecnica Motori komplett überarbeiteter, freiatmender V12-Motor entwickelt infernalische 769 PS und stellt die Reifen mit einem maximalen Drehmoment von 759 Nm auf eine harte Probe. Der Drehzahlbegrenzer meldet sich erst bei 9000 Umdrehungen. Ein Hewland 6-Gang-Halbautomatikgetriebe, geschaltet über Wippen am Lenkrad, sorgt dafür, dass das immense Drehmoment auch an den Rädern ankommt.

Noch mehr italienische „Intensa Emozione“ bringt der italienische Ingenieur Paolo Garella mit seiner „Manifattura Automobili Torino“ in das Hypercar. Nicht weniger als das Chassis des LMP1-Rennwagens SCG 003 der Scuderia Cameron Glickenhaus geht auf das Konto des Italieners. Für den Apollo packte Garella alle Tricks aus und entwarf ein Carbon-Monocoque mit Platz für den Ferrari-V12 und fast 100 Liter Sprit. Inklusive der eingearbeiteten Sitzschalen wiegt das Monocoque nur 105 kg und drückt damit das Gesamtgewicht des Renners auf 1250 kg, die sich zu 45% und 55% auf Vorder- und Hinterachse aufteilen.  Auch beim Intensa Emozione ist es Apollo und den Jungs um Paolo Garella gelungen, bei 299 km/h einen Abtrieb zu erreichen, der das Hypercar theoretisch über Kopf fahren ließe. Ob sich ein künftiger Besitzer traut, das zu probieren, ist eher fraglich. Dass die zwei Verantwortlichen Aerodynamik-Ingenieure keine 30 Jahre alt sind und den Großteil ihrer Arbeit im Homeoffice erledigen, lässt so machen erfahrenen Ingenieur bekannter Automobilkonzerne sprichwörtlich alt aussehen.

Diese Mischung aus brachialer Leistung und radikalem Leichtbau sorgen dafür, dass das chinesische Ungeheuer in 2,7 Sekunden Landstraßentempo erreicht. Wobei Landstraßen mangels Straßenzulassung tabu sind. Erst bei knapp 335 km/h hört der Apollo ist ein Ende des Vortriebs erreicht.

Um den Intensa Emozione auf der Straße zu halten, hat man sich bei Apollo für ein komplett einstellbares, von Bilstein geliefertes Fahrwerk inklusive doppelter Querlenker entschieden. Selbst die Stabilisatoren sind einstellbar. Im normalen Fahrbetrieb hat der Fahrer (oder sollte man eher Pilot sagen?) 110 mm Bodenfreiheit, die aber je nach Strecke pneumatisch frei zwischen 60 und 110 mm variiert werden kann.

Um den Boliden auf die richtige Kurvengeschwindigkeit zu bringen und die 2,3 Millionen Euro nicht im Kiesbett zu versenken, setzen die Chinesen auf eine Brembo Keramik-Bremsanlage mit 6-Kolben-Sätteln vorne und 4-Kolben-Sätteln an der Hinterachse, die sich hinter geschmiedeten Aluminiumrädern von BBS versteckt.

Wir finden, dass Norman Choi ein würdiger Nachfolger für Roland Gumpert ist und mit diesem Auto bewiesen hat, dass Hypercars keinen Hybridantrieb brauchen, um ganz vorne mitzufahren. Was sagt ihr dazu? Geniales Hypercar oder technisch veralteter Traum eines Autonarrs?