Die weltweite Fachpresse hat sich ausgetobt, Berichte verfasst, Interviews gesammelt, sich bis zum letzten Quäntchen die neue Mercedes-Benz A-Klasse zurechtgelegt. Einhelliges Urteil: hier rollt ein verdammt gutes und vor allem cooles Fahrzeug auf uns zu. Markstart voraussichtlich Mai 2018, Einstandspreis um die 25.000 Euro. Doch wie fällt unser Blick auf die neue Kompaktklasse aus Stuttgart aus? Vorsichtig optimistisch, um es knapp zu formulieren.

Imagewandel

Mercedes hat es in den letzten Jahren verstanden das Altherren-Image seiner kleinsten Baureihe nach und nach abzulegen. Keiner denkt mehr an die biederen A-Klassen 168 und 169, den Eintritt in die Zukunft markierte ab 2012 die Baureihe 176 mit seinen schnittigen Formen, dem knackigen Fahrwerk und einem generell jugendlichen Auftreten. Mit der nun vorgestellten Neuauflage möchte Mercedes den Imagewandel offenbar komplettieren, sich gänzlich einer jüngeren und technikaffineren Kundschaft zuwenden. Warum wir das meinen? Die Antwort liegt im riesigen Infodisplay, das nicht nur über allem thront sondern serienmäßig an Bord der A-Klasse sein wird. Analoginstrumente haben damit ausgedient, nur die Größe der Bildschirme variiert je nach Ausstattung.

Das neue MBUX-System

Zwei 10,25-Zoll-Bildschirme sind optional verfügbar und sorgen für S-Klasse-Feeling im kleinsten Spross aus Stuttgart. Dabei setzt die A-Klasse erstmals auf das neue Mercedes MBUX (Mercedes Benz User Experience) System, dessen Aufbau an ein Handybetriebssystem erinnert und dass mit regelmäßigen Updates auf dem aktuellsten Stand gehalten werden soll. Das MBUX-System der A-Klasse soll überdies mit einer intuitiven und intelligenten Sprachbedienung gesteuert werden können. Ob es jedem gefällt, dass die eingebaute „Künstliche Intelligenz“ sich die Route des Nachhausewegs merkt oder weiß wen wir an bestimmten Zeiten anrufen bleibt abzuwarten.

Technik und Komfort

Neben dem komplett neuen Infotainmentsystem, es zeigt die Zukunft in allen anderen Mercedes-Benz PKW-Modellen, wurde die A-Klasse der Baureihe 177 auch in weiteren Bereichen kräftigst überarbeitet. Mit einem cw-Wert von 0,25 liefert sie die beste Aerodynamik in der Kompaktklasse ab, optionale Multibeam-LED-Scheinwerfer machen die Nacht zum Tag und die Assistenzsysteme sollen das Reisen für den Fahrer angenehmer machen. Dabei ist alles an Bord was Mercedes-Benz derzeit im Portfolio hat. Angefangen vom Distronic-System, welches aus der S-Klasse bekannt ist, bis hin zu Brems- und Nothalteassistenten geizen die Entwickler nicht mit sicherheitsrelevanten Features. Die A-Klasse soll im Weiteren über ein besseres Raumangebot verfügen, die Federung im Serientrimm spürbar komfortabler werden (optional verfügbar ist ein Fahrwerk mit Dämpferregelung) und die schlechte Sicht nach hinten korrigiert werden. Ebenfalls verbessert wurde die Geräuschdämmung im Fahrzeug.

Die Motoren

Blickt man auf die Motorenpalette der neuen A-Klasse gibt es zunächst keine großen Überraschungen. Zwei Benzin- und ein Dieselaggregat stehen zur Auswahl, wobei die Leistung von 116 PS beim Diesel bis zu 224 PS bei den Benzinern reicht. Gekoppelt sind die Motoren wahlweise an ein Sechsgang-Schaltgetriebe und optional an ein Siebengang-Direktschaltgetriebe. Beim A 250 wird serienmäßig per Automat geschaltet, optional verfügbar ist ein Allradantrieb. Der A 180 Diesel wird immer mit einem SCR-Kat samt AdBlue-Tank ausgestattet sein um die strenge Abgasnorm Euro 6 d temp zu erreichen. AMG ist gerade dabei dem Topmodell den letzten Schliff zu verpassen. Erwartet wird ein 4-Zylinder Mild-Hybrid mit E-Boost-Funktion ähnlich dem 6-Zylinder-Motor der zukünftig in der AMG-53-Familie arbeiten wird. Konkrete Leistungsdaten sind hier allerdings noch nicht bekannt.

Ein erstes Fazit

Die Mercedes-Benz A-Klasse mutiert in ihrer Neuauflage zur kompakten S-Klasse, bietet Features die selbst in der Oberklasse aus Stuttgart noch nicht eingeführt wurden und zeigt eine frische aber nicht abgehobene Designsprache. Ab rund 25.000 Euro soll die A-Klasse ab Mai bei den Händlern stehen, dann allerdings ohne Schnickschnack aber serienmäßig mit digitalen Instrumenten. Wer die A-Klasse umfangreich ausgestattet haben will muss tief in die Tasche greifen. Ohne große Kunst wird bereits der A 250 mit Allrad und Automatikgetriebe samt teurer Assistenzsysteme an der 60.000 Euro Grenze nagen. Am Ende bleibt eine Frage unbeantwortet: wer soll und will sich diesen Luxus in der Kompaktklasse (ohne sportlichen AMG-Zusatz) leisten? Denn unterm Strich bleibt eine A-Klasse eben eine A-Klasse.