Bevor wir uns im Folgenden missverständlich ausdrücken: Der neue VW Touareg ist ein tolles Auto geworden! Eines, das wir in seinen Grundfesten ohne große Bedenken weiterempfehlen können. Nur zwei Dinge sollte man beim Kauf auf jeden Fall beachten: Er ist kein Phaeton und er sollte nicht nach dem Motto: „Viel hilft viel“ bestellt werden.

Zwar hat Volkswagen mächtig nachgelegt um den neuen Touareg weiter oben in der automobilen Hackordnung zu platzieren – an die herausragende Detailverliebtheit, die Materialauswahl und die pfiffigen Details eines Phaetons kommt er aber nicht heran. Und das, obwohl das Piëch-Erbe mittlerweile seit 2016 nicht mehr gebaut wird. Man merkt an vielen Stellen die Großserientechnik innerhalb des VW-Konzerns, muss mit gewissen Standards (Ledersitze zum Mitteltunnel hin beispielsweise mit Stoff bezogen) zurecht kommen und trifft manches Mal auf eine unübersehbare Gleichgültigkeit der Entscheider in Wolfsburg. Dann etwa, wenn bei einem VW Passat die Rückfahrkamera im Markenlogo versteckt, beim Touareg aber nur lieblos neben der Kennzeichenbeleuchtung montiert wird. Nach einer Regenfahrt ist die Optik beinahe blind.

Ganz und gar nicht blind wird man hingegen, blickt man auf das nagelneue Innovisions-Cockpit der Wolfsburger. So groß und so fein hat bisher noch kein anderer Hersteller die Bildschirme in seinen Innenraum integriert. Die Auflösung der Displays ist über jeden Zweifel erhaben, nur an der Geschwindigkeit und der Bedienbarkeit der Multimediaeinheit hapert es. So sind Sprachbefehle lediglich in festen Reihenfolgen möglich, werden oftmals nicht erkannt und an eine ablenkungsfreie Bedienung mittels Touchscreen – und sei er noch so groß – ist nicht zu denken. Vielleicht liegt es auch an einem fehlenden Gewöhnungseffekt, aber wir bleiben Fans von Knöpfen und Drehreglern. Immerhin: Die Lautstärke lässt sich mittels Wählrädchen in der Mittelkonsole bedienen.

Bevor wir auf den wohl größten Knackpunkt der dritten Generation des VW Touareg zu sprechen kommen, springen wir zum Fahrkapitel. Ohne Wenn und Aber: Der Touareg ist ein herrlicher Reisewagen geworden! Der von uns gefahrene 286 PS starke 3-Liter-Diesel ist mit seinen 600 Nm Drehmoment für den Alltag ausreichend motorisiert und bewegt den sanften Riesen in knapp 6,1 Sekunden auf Tempo 100. Ein deutliches Turboloch, insbesondere bei spontanen Kickdown-Phasen, lässt sich hingegen nicht wegdiskutieren. Ein vertretbares Übel, belohnt uns der 3.0 TDI auf der anderen Seite mit einem Durchschnittsverbrauch von knapp unter 8 Liter Diesel. Leise ist er obendrein und wer gelassen unterwegs ist, der unterbietet gar den WLTP-Schnitt von 6,6 Liter ohne Anstrengungen.

Das optionale Adaptivfahrwerk samt Luftfederung und aktiver Wankstabilisierung sorgt auf Autobahnen und auf teils schlechteren Landstraßen für einen fürstlichen Fahrkomfort. Hinzu kommt, dass Volkswagen endlich die Programmierung der ZF-8-Gang-Automatik optimiert hat. Dies hat zur Folge, dass der Wandler bei höheren Geschwindigkeiten nicht ständig zwischen dem siebten und achten Gang hin- und herschaltet. Die elektromechanische Lenkung ist passend komfortabel ausgelegt – nur sportive Fahrer werden (selbst im Dynamikmodus) etwas das Gewicht vermissen.

Gegen Aufpreis bietet der neue VW Touareg auch einen (um noch mehr Elektronik) erweiterten Offroad-Modus – dieser taugt aber ganz offensichtlich nur für staubige Landstraßen in Marokko. Zwar gibt es weiterhin einen serienmäßigen Allradantrieb mit Torsen-Differential – auf weitere technische Hilfsmittel für unbefestigte Wege wurde aber aufgrund mangelnder Kundennachfrage verzichtet. Viel interessanter dürfte hingegen die maximale Anhängelast des Touareg sein, die unverändert bei 3,5 Tonnen liegt.

Und hier beginnt das leidige Thema der Assistenzsysteme. Ohne groß drum herum zu schreiben: Sie sind in ihrer jetzigen Form nicht ausgereift! Wer den neuen Touareg mit dem Fahrerassistenzsystem Plus, dem Park Assist Paket und zu allem Überfluss mit dem, an die Anhängerkupplung zwingend gebundenen, Trailer Assist koppelt, der erfährt sein dauerhaft ermahnendes und eingreifendes Wunder. So erlebten wir bei vielen Fahrten Interventionen des Auffahrwarners, obwohl die Straße vor uns leer war.

Beim rückwärtigen Einparken grätscht schon mal der Park-Assist grundlos mit einem Vollstopp ins Manöver und wer an stehenden Ampelverkehr heranrollt wird durch piepsende PDC-Sensoren zur Vorsicht ermahnt – jedes Mal! Und auch die Sache mit dem Trailer-Assist scheint nicht mit jeder Anhängergröße zu funktionieren. Bei unserem, zum Test angehängten, übergroßen Zweiachser verweigerten die Helferlein gleich zu Beginn ihren Dienst. Gleiches galt bei so mancher Fahrt für den Spurhalteassistenten, der sporadisch seinen Dienst nebst allgemeiner Fehlermeldung quittierte. Bei jedem Neustart war dieser übrigens wieder bevormundend aktiv!

Fazit

Wir bleiben am Ende dabei: Der neue VW Touareg ist ein – Auto – welches wir für den Alltag nur empfehlen können. Als Supercomputer taugt er hingegen weniger und wer nicht jeden neuen Firlefanz benötigt, der lässt besser die Finger von den ganzen Assistenzsystemen – die man zum Glück (noch) nicht serienmäßig an Bord hat. Er ist eine tolle Alternative zum Plattformbruder Audi Q7, bietet in der Basis viel solide VW-Technik und gegen Aufpreis einen fürstlichen Fahrkomfort. Überdies punktet er mit einer hohen Anhängelast und einem niedrigen Verbrauch. Der Verzicht auf weitreichende Offroad-Technik war bereits zum Ende des Vorgängers absehbar und ist für die Fahrzeugklasse der Premium-SUVs auch vertretbar. Wer sich unbedingt in der schier unendlichen Preisliste von Volkswagen austoben will, der sollte sich ein wenig mit Farben und Ledersorten beschäftigen.

Technische Daten*

Modell: Volkswagen Touareg 3,0 l V6 TDI SCR
Motor: Sechszylinder-V, Turbolader, 2.967 ccm
Leistung: 286 PS (210 kW) bei 3.800 U/min
Drehmoment: 600 Nm zwischen 2.250 und 3.250 U/min
Antrieb: Allradantrieb, Achtgang-Automatikgetriebe
Verbrauch (WLTP): 6,6 l Diesel/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 6,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 235 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,88 m/1,98 m/1,71 m
Gewicht: ca. 2.070 Kg

*Herstellerangaben

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