Driven: Citroën C-Crosser 2.2 HDI 155 FAP

Unverhofft kommt oft. So weiß es ein altes Sprichwort und so erging es uns auch beim Test von Citroëns Mittelklasse-Geländewagen C-Crosser 2.2 HDI 155 FAP.

Was hatten wir uns nicht für herrliche Spitzen erdacht, um dem avantgardistisch gezeichneten Allradler das Leben schwer zu machen. Nach fast 3000 gefahrenen Kilometern sorgte der graue Franzose dann aber für eine handfeste Überraschung. Doch der Reihe nach: Allein sein Name, Citroën C-Crosser 2.2 HDI 155 FAP DCS Exclusive. Französische Eleganz sieht anders aus, wenigstens bedeutet diese Modellbezeichnung beim C-Crosser die opulenteste Art des Fahrens. Das Problem, dass das Bauen von Geländewagen nicht unbedingt zur, sagen wir mal, Kernkompetenz der Franzosen gehört, haben die Marken Citroën und Peugeot durch ein Joint Venture mit Mitsubishi charmant gelöst. Neben dem C-Crosser baut so auch der Peugeot 4007 auf dem Rückgrat des Mitsubishi Outlanders auf.

Vielleicht hätte man auch die Außenhaut übernehmen sollen, denn das Gesicht, dass man bei Citroën zur besseren Erkennung der Markenzugehörigkeit an den Outlander geflanscht hat, finden wir doch etwas zu skurril. Am Innenraum gibt es indes nichts auszusetzen. Die Bedienelemente sind angenehm reduziert, Touchscreen-Monitor, Klimaregler, Fensterheber – fertig. Zusammen mit den vernähten Kunstlederapplikationen an Armaturenbrettoberseite und Türpaneelen wirkt der Franzose nicht nur aufgeräumt, sondern auch edel. Bei einem Preis von 44.910 Euro sollte man davon aber auch ausgehen können.

Dieser Preis beinhaltet selbstredend alle ankreuzbaren Kästchen in der Preisliste wie etwa Festplatten-Navigation, elektrisch verstellbare Ledersitze, 18-Zoll-Bereifung, Xenon-Licht, elektrisches Glasschiebedach, Doppelkupplungsgetriebe, Rockford-Fosgate-Soundsystem und so weiter. Natürlich bleibt diese Optionsflut nicht ohne Auswirkung auf das Gewicht und so bringt der Allradler satte 1845 kg auf die Waage.

Ein gutes Stück Arbeit also für den 156 PS starken 2.2-Liter-Diesel, den Citroën mit dem neuen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ins Rennen schickt. Doch das 380-Nm-Aggregat macht seine Sache wirklich ausgezeichnet. Das Turboloch ist nicht nur klein, es wird auch durch den treffend abgestimmten Einkuppelvorgang des Getriebes weitestgehend kaschiert. In der Mitte des Drehzahlbandes arbeitet der Selbstzünder sehr engagiert und verwehrt sich auch dem Versuch des Ausdrehens nicht übermäßig. Sein größter Vorzug ist aber das Talent zum niedertourigen Fahren. Selbst ab 1500 Touren lässt ihn das DCS-Getriebe souverän anschieben und dank der langen Übersetzung kann man auch schnelle Reiseschnitte in einem überschaubaren Drehzahlfenster realisieren.

Der Verbrauch liegt dank dieser Charakteristik auch im Rahmen. Wir kamen auf gute 9,2 Liter Diesel im Testschnitt. Wer es darauf anlegt, der schafft auch Werte um 7,5 Liter, doch der C-Crosser fährt einfach automatisch schnell: Die Sitze bitten zur großen Fahrt, die 710-Watt-Anlage massiert das Trommelfell, die Außenwelt rückt akustisch angenehm in den Hintergrund und der graue SUV rollt einfach los. 180er Schnitte auf der Autobahn sind kein Problem, das Fahrwerk wankt nicht und bleibt trotzdem frei von ungebührlicher Härte. Vor allem aber die Lenkung hat großen Anteil an der Touringfähigkeit des C-Crossers: Ist sie in der Stadt noch erstaunlich schwergängig, so sorgt sie auf der Autobahn für eine Unaufgeregtheit, die man bei der Schrankwand-Konkurrenz selten findet.

Selbst auf der Landstraße sorgt der C-Crosser für Überraschungen, zumindest für manch träumenden Hot-Hatch-Fahrer. Hat man das linke Schaltpaddel (feststehend hinter dem Lenkrad wie im Ferrari 599!) zweimal gezupft und das DCS den dritten Gang eingespannt, zoomt sich der Pseudo-Geländewagen erfrischend schnell durchs Kurvengeläuf. Natürlich fängt er dabei das Taumeln an, denn ein adaptives Fahrwerk haben ihm die Franzosen nicht mit auf den Weg gegeben, doch gerade das macht den Reiz aus. Das Auto zeigt, dass es für diese Gangart eigentlich nicht gebaut wurde, macht es aber trotzdem. Und so zieht man fröhlich quietschend vier schwarze Spuren hinter sich her und schmunzelt hoch oben über den GTI-Fahrer, der nicht glaube kann, wie groß die verchromten Doppelwinkel in seinem Rückspiegel werden können.

Genau das macht den Reiz des C-Crossers aus: Er nimmt sich selbst nicht zu ernst, leistet sich aber dennoch keine Nachlässigkeiten. Er ist ein teures, aber auch ein gutes Auto. Ein SUV zwar, aber immerhin konsumiert er den Kraftstoff in Maßen. Die kommode Sitzposition und der Platz im Innenraum – für bis zu sieben Passagiere – ist so auch von keinem Kombi zu erreichen. Und so kommen wir zu einem Fazit, dass wir selbst vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten hätten. Wir finden ein SUV gut. Richtig gut sogar. Er ist kein Statussymbol, kein Platzhirsch und auch keine unbedingte Schönheit, er ist einfach ein lässiges Auto.

Technische Daten:
Modell: Citroën C-Crosser 2.2 HDI 155 FAP DCS Exclusive
Motor: Vierzylinder Diesel, 2179 ccm
Leistung: 156 PS
Drehmoment: 380 Nm
Antrieb: Allrad, 6-Gang Doppelkupplung,
Verbrauch: 9,2l / 100 Km Diesel
0-100 km/h: 11.1 sek.
Vmax: 198 km/h
Preis: ab 40.050 Euro (Exclusive DCS)