Endlich hatten wir die Möglichkeit sie zu fahren. Denn kaum ein Auto wurde so kontrovers disktutiert wie die neue Toyota GR Supra 2.0. Kann die japanische Ikone mit einem Zweiliter-Downsizing-Vierzylinder bestehen? Unser Test klärt auf.

Mit dem neuen Einstiegsmodell verliert die Supra einen vollen Liter Hubraum und zwei Zylinder. Es sind also nur mehr 1998 Kubikzentimeter verteilt auf Viere. Das Aggregat stammt dabei wie sämtliche Antriebs- und Chassistechnik von BMW. Das Münchner Triebwerk bringt es auf 258PS und 400Nm und sollte dem kleinen Sportcoupé ausreichend Performance bescheren.

Denn neben dem Verzicht auf Leistung bringt das Downsizing auch einen großen Vorteil auf der Waage. Ganze 100 Kilogramm sind es, die weniger auf der Vorderachse lasten und damit für gesteigerte Agilität sprechen. Und im Grunde geht es bei einem kompakten Sportcoupé doch einzig und allein darum, oder?

Design, Platz & Komfort

Das zeigt auch das Design der neuen Toyota GR Supra 2.0 – denn es geht keine Kompromisse ein. Optisch unterscheidet sich der Vierzylinder in keinem Detail vom großen Bruder. Jeder Spoiler, jede aerodynamisch optimierte Fuge, jede muskulöse Wölbung: man muss auf nichts verzichten.

Toyota tat gut daran, denn der Look des kleinen Coupés darf als gelungen gelten. Nicht zu manga-esque, aber eben auch nicht zu zurückhaltend. Der Supra ist ihre dynamisch-aktive Intention auf den ersten Blick anzusehen und vor allem abzunehmen.

Denn dem Sport ordnet sie viel unter. Zuvorderst das Platzangebot. Das fängt schon beim Einstieg an, der mit Vorsicht vonstatten gehen sollte – sonst haut es übel den Kopf ans Dach.

Auch der restliche Innenraum ist auf Maß geschnitten. Man sitzt eingemauert zwischen Getriebetunnel und hochstehender Fensterlinie in einem engen Sportsitz. Davor tut sich ein ergonomisch ordentliches – mit BMW-Teilen ausgestattete – Instrumentenbrett auf. Einzig das Lenkrad könnte ein wenig mehr Pep vertragen, die Airbagprallpatte ist etwas gar trist.

Ganz und gar nicht trist ist dagegen der Federungskomfort. Das adaptive Fahrwerk hat hier aber nicht vollen Anteil dran, es ist vor allem eine Ausstattungsbesonderheit des Vierzylinders. Denn die Einstiegs-Supra kommt auf 18 Zoll-Bereifung zum Kunden und zeigt sich dadurch erfreulich nachgiebig.

Technische Highlights

Es ist vielleicht die überraschend pure Form des Fahrens, die das größte Highlight darstellt. Strenggenommen kein alleiniger Verdienst einer einzelnen Technik, aber eben aus deren Summe. Motor längs vorn, Getriebe direkt dahinter und der Antrieb im Heck. Dazu eine vernünftige Fahrwerksabstimmung, ordentliche Reifen und scharfe Bremsen – fertig ist der Sportwagen.

Und ja, auch wenn viele dem Sechszylinder wirklich nachtrauern, auch die Vierer-Variante hat es in sich. Denn im Grunde sind die Motoren praktisch identisch, stammen sie doch aus dem gleichen Baukasten. BMW baut alle Motoren um einen Einheits-Zylinder herum. Drei-, Vier- und Sechszylinder sind in allen technischen Details mehr oder weniger gleich.

So kann auch der intern B48 genannte Antrieb in der Toyota GR Supra 2.0 überzeugen. Für einen aufgeladenen Vierzylinder dreht er beinahe ungewöhnlich gierig hoch. Dabei ist er sogar im Klang interessant und vor allem facettenreich. Was nicht zuletzt an den verschiedenen Fahrmodi und entsprechenden Ansteuerungen des Auspuffs und der Ansaugung liegt.

Wie fährt die Toyota GR Supra 2.0?

Wunderbar knackig. Es ist tatsächlich die beinahe vergessene Leichtigkeit der Supra, die am meisten begeistert. Sie muss nicht wie etwa ein Golf GTI auch fünftürig den Alltag beherrschen. Sie ist kein Porsche Cayman, der immer an Größerem gemessen werden wird.

Sie ist stattdessen ein pure Fahrspaßmaschine. Einzig dafür gebaut dem Piloten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Und das kann sie. Das kann sie sogar richtig gut.

Der Motor hat mächtig Druck, in engen Ecken sogar soviel, dass es die mächtigen 275er Hinterreifen teils überfordert. Dann ist das optionale Sperrdifferential unbedingt zu empfehlen, denn mit ihm malt man die Kurve perfekt aus. Überhaupt ist die Fahrt in der Toyota GR Supra 2.0 wie Malerei – nur eben mit Lenkrad statt Pinsel.

Momente in denen man den Sechszylinder vermisst hatten wir nie, zumindest nicht beim Fahren. Denn es fehlt an nichts, wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Aber bei einem Sportcoupé, dass ausser zum Fahren für nichts taugt – ist man da überhaupt je ehrlich zu sich selbst? Ist ein Auto dieser Kategorie nicht per se so grosser Luxus, dass es auf ein paar Zylinder mehr gar nicht ankommt?

Fazit:

Die Frage nach dem Sinn muss jeder selbst beantworten. Objektiv kann man dem neuen Einstiegsmodell der Japaner keinen Vorwurf machen. Es ist ein tolles Auto mit wunderbaren Fahrfähigkeiten. Wem aber die zwei Zylinder fehlen, den wird auch diese Tatsache nicht glücklich machen.

Technische Daten:

Modell: Toyota GR Supra 2.0
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1.998ccm
Leistung: 258 PS (190 kW)
Drehmoment: 400 Nm bei 1.550-4.400 U/min
Antrieb: Heckantrieb, Achtgang-Automatikgetriebe
Verbrauch (NEFZ): 6,3 l Benzin/100 km
Testverbrauch: 9,4 l Benzin/100 km
Beschleunigung (0 – 100 km/h): 5,2s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
(Abmessungen (L/B/H): 4,38 m/1,85 m/1,30 m
Gewicht: 1.470kg
Grundpreis: 48.900 EUR (53’400 EUR mit Sport Pack)

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