SUV? Muss nicht sein. Wer etwas mehr Bodenfreiheit, Allradantrieb und einen robusteren Auftritt möchte, aber trotzdem lieber einen klassischen Kombi fährt, bekommt bei Audi weiterhin eine ziemlich interessante Alternative. Der A6 Allroad e-hybrid quattro verbindet die Karosserie des A6 Avant mit einem höhenverstellbaren Fahrwerk, Allradantrieb und einem Plug-in-Hybrid mit 367 PS Systemleistung.
Dabei soll der Allroad keineswegs nur so aussehen, als könnte er abseits asphaltierter Straßen etwas mehr als ein gewöhnlicher A6. Audi hat auch Fahrwerk, Traktionsregelung und Getriebesteuerung entsprechend angepasst.
Und tatsächlich fährt sich der A6 Allroad deutlich eigenständiger, als es der erste Blick vermuten lässt.
Der Allroad war schon da, bevor Audi SUVs baute
Neu ist die Idee natürlich nicht. Audi brachte den ersten A6 Allroad bereits um die Jahrtausendwende auf den Markt. Damals gab es noch keinen Q7 und erst recht nicht die heutige Armada aus Q2, Q3, Q5, Q7 und Q8.
Die Idee war damals ziemlich simpel: Man nehme einen A6 Avant, spendiere ihm mehr Bodenfreiheit, permanenten Allradantrieb und eine Luftfederung und mache daraus einen Kombi, der sich auch abseits befestigter Straßen wohlfühlt. Die erste Generation konnte sogar mit einer Geländeuntersetzung bestellt werden.
Heute ist die Situation eine völlig andere. Wer einen höhergelegten Audi mit Allradantrieb möchte, kann schließlich aus diversen SUVs wählen.
Und trotzdem hält Audi am Allroad fest. Vielleicht gerade deshalb: Er ist eine Alternative für diejenigen, die eben keinen SUV wollen.
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Deutlich breiter als ein normaler A6 Avant
Dass es sich nicht einfach nur um einen A6 Avant mit ein paar Kunststoffteilen handelt, zeigen schon die Abmessungen.
Der Allroad misst 5,02 Meter in der Länge und kommt ohne Außenspiegel auf knapp 1,99 Meter Breite. Damit ist er rund elf Zentimeter breiter als der normale A6 Avant.
Auch die Spur wurde verbreitert. Vorne wächst sie um 7,4 Zentimeter, hinten sind es sieben Zentimeter.
Unser Testwagen stand zudem auf mächtigen 21-Zoll-Rädern mit 285/35er-Bereifung. Serienmäßig rollt der Allroad etwas gemäßigter auf 19-Zöllern mit Reifen im Format 265/45.
Dazu kommen die typischen Allroad-Zutaten: robuste Verkleidungen rund um die Karosserie sowie optisch angedeutete Unterfahrschutzelemente. Der A6 wirkt dadurch deutlich kräftiger und wuchtiger als sein normaler Kombi-Bruder.
Luftfederung macht den Unterschied
Die vielleicht wichtigste Besonderheit findet man allerdings unter dem Auto.
Audi kombiniert eine Luftfederung mit speziell auf den Allroad abgestimmten adaptiven Dämpfern. Dadurch bekommt der Fahrer einen ziemlich großen Spielraum zwischen komfortablem Reisen und höherer Bodenfreiheit.
Im Comfort-Modus gleitet der große Kombi ausgesprochen entspannt über Unebenheiten. Genau hier spielt der Allroad eine seiner größten Stärken aus: Er fühlt sich weniger straff und verbindlich als ein sportlich abgestimmter A6 an und legt den Schwerpunkt deutlich stärker auf Komfort.
Insgesamt kann die Karosserie über einen Bereich von 5,5 Zentimetern verstellt werden. Das sind 2,5 Zentimeter mehr als beim A6 Avant.
In der normalen Balanced-Einstellung beträgt die Bodenfreiheit 15,6 Zentimeter. Aktiviert man die Liftfunktion, wächst sie auf immerhin 19,1 Zentimeter. Diese Einstellung steht bis 35 km/h zur Verfügung.
Auf der Autobahn passiert genau das Gegenteil. Im Dynamic-Modus beziehungsweise bei Geschwindigkeiten oberhalb von 120 km/h senkt sich die Karosserie um zwei Zentimeter ab.
So bekommt man im Prinzip zwei Autos: einen komfortablen Langstrecken-Kombi für die Autobahn und einen höhergelegten Allradler für schlechte Wege.
Er kann tatsächlich ein bisschen Gelände
Natürlich wird aus dem A6 dadurch kein Geländewagen. Für die Fahrt über Feldwege, Schnee, Sand oder Schotter hat Audi allerdings mehr verändert als nur die Bodenfreiheit.
Im entsprechenden Fahrmodus lässt die Traktionskontrolle mehr Schlupf zu. Das ist auf losem Untergrund wichtig, weil die Reifen dadurch nicht sofort elektronisch eingebremst werden, sondern sich beispielsweise durch Schnee oder lockeren Schotter arbeiten können.
Dreht ein einzelnes Rad zu stark durch, greift die elektronische Differentialsperre ein und bremst dieses gezielt ab. Dadurch kann mehr Antriebskraft an die Räder geschickt werden, die gerade besseren Grip haben.
Sogar das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe bekommt im Gelände eine andere Strategie. Die Gänge werden länger gehalten und später gewechselt, damit gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten möglichst gleichmäßig Antriebskraft zur Verfügung steht.
Für den normalen Allroad-Käufer dürfte das locker reichen. Schließlich wird kaum jemand seinen über 80.000 Euro teuren A6 durch tiefen Schlamm prügeln.
367 PS treffen auf mehr als 2,2 Tonnen
Beim Antrieb setzt Audi auf einen Zweiliter-TFSI in Kombination mit einem Elektromotor.
Der Benziner leistet 185 kW beziehungsweise 252 PS. Dazu kommt eine in das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe integrierte E-Maschine mit maximal 105 kW beziehungsweise 143 PS.
Gemeinsam kommen beide auf eine Systemleistung von 270 kW oder 367 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 500 Newtonmetern.
Damit geht es in 5,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bei 250 km/h wird elektronisch Schluss gemacht. Rein elektrisch sind maximal 140 km/h möglich.
Das klingt nach ordentlich Feuer – trotzdem ist der Allroad kein Auto, das einen ständig dazu animiert, das rechte Pedal durchzutreten.
Dafür bringt er schließlich auch 2.205 Kilogramm auf die Waage.
Viel besser passt der Hybridantrieb zum entspannten Charakter des Autos. Beim Losfahren übernimmt zunächst der Elektromotor und stellt sofort sein Drehmoment zur Verfügung. Wird mehr Leistung verlangt, kommt der Vierzylinder hinzu.
Das Zusammenspiel funktioniert angenehm unauffällig. Wer bei 367 PS allerdings auf einen ausgesprochen sportlichen Charakter hofft, könnte etwas enttäuscht sein. Der Allroad möchte lieber schnell und komfortabel reisen, als permanent den Sportwagen zu spielen.
Quattro nur dann, wenn man ihn braucht
Beim Allradantrieb setzt Audi auf quattro ultra.
Dabei wird die Hinterachse nicht permanent angetrieben. Das System kann sie bei Bedarf zuschalten und wieder vom Antriebsstrang trennen.
Im normalen Straßenbetrieb bekommt man davon praktisch nichts mit. Erst wenn zusätzliche Traktion benötigt wird, verteilt das System die Kraft entsprechend auf beide Achsen.
Das spart gegenüber einem permanent arbeitenden Allradantrieb Energie und passt damit gut zum Plug-in-Hybrid-Konzept.
Bis zu 102 Kilometer elektrisch
Die Hochvoltbatterie besitzt eine Kapazität von 25,9 kWh. Davon können netto 22,0 kWh genutzt werden.
Audi gibt damit eine elektrische Reichweite von bis zu 102 Kilometern an. Wer das Auto regelmäßig lädt und im Alltag keine riesigen Strecken zurücklegt, könnte viele tägliche Fahrten also tatsächlich komplett elektrisch erledigen.
Geladen wird allerdings ausschließlich mit Wechselstrom und maximal 11 kW. Eine vollständige Ladung von null auf 100 Prozent dauert laut Hersteller zwei Stunden und 45 Minuten.
Bei unserer entspannten Testfahrt zeigte der Bordcomputer 6,1 Liter Benzin sowie 5,1 kWh Strom pro 100 Kilometer an.
Der offizielle Wert liegt bei 2,8 Litern und 17,0 kWh pro 100 Kilometer. Wie bei jedem Plug-in-Hybrid hängt der tatsächliche Benzinverbrauch allerdings extrem davon ab, wie oft geladen wird und welche Strecken man fährt.
Wer ständig mit leerem Akku über die Autobahn fährt, wird mit den offiziellen Verbrauchswerten wenig anfangen können.
Drei Displays und nicht überall Premium
Vorne übernimmt der Allroad das Cockpit des normalen A6.
Das digitale Kombiinstrument besitzt eine Diagonale von 11,9 Zoll. In der Mitte sitzt ein 14,5 Zoll großer Touchscreen. Optional kann Audi zusätzlich vor dem Beifahrer einen weiteren Bildschirm mit 10,9 Zoll verbauen.
Technisch wirkt das modern, bei den Materialien gibt es allerdings Licht und Schatten.
Gerade der empfindliche Hochglanz-Kunststoff dürfte nicht jedem gefallen. Auch weiter unten im Innenraum findet sich Hartplastik, das man angesichts eines Grundpreises von mehr als 80.000 Euro vielleicht nicht unbedingt erwarten würde.
Beim Kofferraum fordert der Hybrid seinen Tribut
Auch beim Gepäckraum muss man gegenüber einem normalen Kombi Abstriche machen.
Durch die Batterie bleiben im A6 Allroad e-hybrid lediglich 404 Liter Kofferraumvolumen übrig. Mit umgeklappten Rücksitzen sind maximal 1.423 Liter möglich.
Für ein mehr als fünf Meter langes Auto ist das nicht gerade gigantisch.
Wer den A6 vor allem wegen seines riesigen Gepäckabteils kaufen möchte, sollte deshalb genau prüfen, ob die Plug-in-Hybrid-Version tatsächlich die richtige Wahl ist.
Audi A6 Allroad e-hybrid kostet mindestens 80.250 Euro
Los geht es bei 80.250 Euro.
Damit bewegt sich der Audi ungefähr auf dem Niveau seines wohl direktesten Konkurrenten. Der Mercedes E 300 de 4MATIC All-Terrain kombiniert einen Dieselmotor mit einem Elektroantrieb, kommt auf 230 kW beziehungsweise 313 PS und startet bei 81.277 Euro.
Günstig ist also keiner von beiden.
Dafür bekommt man mit dem A6 Allroad ein Auto, das inzwischen fast ein Exot geworden ist: einen großen, komfortablen und ziemlich schnellen Kombi, der die erhöhte Bodenfreiheit und zusätzliche Traktion eines Crossovers bietet, ohne deshalb gleich wie ein SUV aussehen zu müssen.
Und vielleicht ist genau das heute das stärkste Argument für den Allroad.








