Meta-Description: Hyundai Ioniq 3 im Fahrbericht: ab 28.950 Euro, bis 61 kWh Akku, viel Platz und niedriger Verbrauch. Nur beim Antrieb fehlt etwas Temperament.
Teaser: Der Hyundai Ioniq 3 startet unter 30.000 Euro und überrascht mit viel Platz und Komfort. Im Fahrbericht zeigt er aber auch eine deutliche Schwäche.
Unter 30.000 Euro, ordentlich Platz, komfortables Fahrwerk und trotzdem kein rollender Verzicht: Mit dem neuen Ioniq 3 möchte Hyundai ein Elektroauto auf die Straße stellen, das nicht durch irre Leistungswerte oder riesige Batterien auffällt, sondern schlicht für möglichst viele Menschen funktionieren soll.
Wie gut das klappt, konnten wir im dichten Verkehr von Istanbul und auf den Straßen außerhalb der türkischen Metropole ausprobieren. Dabei überrascht der kleine Hyundai an einigen Stellen – allerdings nicht ausschließlich positiv.
Kompakter Aero-Hatch statt Mini-Ioniq 5
Optisch geht der Ioniq 3 einen etwas anderen Weg als seine größeren Geschwister. Statt möglichst futuristisch auszusehen, verbindet Hyundai eine relativ flache und gestreckte Karosserie mit klassischer Schrägheck-Optik.
Das Ergebnis bezeichnet Hyundai als „Aero-Hatch“.
Wie sportlich das Ganze aussieht, hängt allerdings stark von der gewählten Ausstattung ab. Select, Trend und Prime geben sich vergleichsweise zurückhaltend. Deutlich mehr Show liefert die N Line mit schwarzen Anbauteilen, größeren Rädern und auffälligerem Spoilerwerk.
Gerade in Rot wirkt der Ioniq 3 dann erstaunlich sportlich. Von hinten lässt sich mit etwas Fantasie sogar eine gewisse Ähnlichkeit zum legendären Alfa Romeo SZ erkennen.
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Innen ist der Ioniq 3 größer als erwartet
Interessanter als das Außendesign ist allerdings, wie Hyundai den vorhandenen Platz nutzt.
Die steil stehende Frontscheibe, das horizontal aufgebaute Armaturenbrett und der flache Boden sorgen vorne für ein luftiges Raumgefühl. Auch bei der Kopffreiheit gibt es wenig zu meckern.
Noch überraschender fällt der Fond aus. Die Passagiere sitzen relativ aufrecht und können ihre Füße problemlos unter die Vordersitze schieben. Dadurch fühlt sich der Ioniq 3 im Innenraum eher wie ein klassischer Kompaktwagen als wie ein kleiner Stromer an.
Beim Platzangebot erinnert er durchaus an frühere Generationen des VW Golf.
441 Liter Stauraum
Auch beim Gepäck macht der Hyundai eine gute Figur. Der eigentliche Kofferraum fasst 322 Liter. Dazu kommen allerdings weitere 119 Liter unter dem Ladeboden.
Dieser Bereich ist groß genug, um dort nicht nur Ladekabel, Warndreieck und Verbandskasten verschwinden zu lassen. Sogar ein kleiner Handgepäckkoffer findet Platz.
Insgesamt stehen damit 441 Liter Stauraum zur Verfügung. Gerade für ein relativ kompaktes Elektroauto ist das ein ziemlich brauchbarer Wert.
Pleos Connect ersetzt das bisherige Infotainment
Eine der größten Neuerungen versteckt sich im Cockpit. Der Ioniq 3 führt Hyundais neues Infotainmentsystem „Pleos Connect“ ein.
Technische Basis ist Android Automotive. Je nach Ausstattung sitzt ein 12,9 oder 14,6 Zoll großer Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts. Die Darstellung ist scharf, Eingaben werden schnell umgesetzt und die Menüstruktur wirkt weitgehend logisch.
Erfreulich ist außerdem, dass Hyundai nicht jeden Knopf wegrationalisiert hat. Für die Klimatisierung gibt es weiterhin physische Bedienelemente.
Das mag wenig spektakulär klingen, ist im Alltag aber wesentlich angenehmer, als während der Fahrt für jede Temperaturänderung durch Touchscreen-Menüs zu wischen.
Beim Fahrerdisplay spart Hyundai an der falschen Stelle
Eine Entscheidung können wir dagegen weniger nachvollziehen.
Ein separates Fahrerdisplay gehört nicht bei allen Varianten zur Serienausstattung. Bei günstigeren Versionen müssen wichtige Informationen über den zentralen Bildschirm abgelesen werden.
Natürlich hilft das dabei, den Einstiegspreis niedrig zu halten. Gerade bei einem ansonsten durchdacht wirkenden Innenraum erscheint diese Sparmaßnahme aber unnötig.
Ein kleines Display direkt im Sichtfeld des Fahrers dürfte für viele Käufer wichtiger sein als manches Infotainment-Feature.
Überraschend komfortabel abgestimmt
Auf den teilweise ziemlich ramponierten Straßen Istanbuls bekommt das Fahrwerk reichlich Gelegenheit zu zeigen, was es kann. Und genau hier sammelt der Ioniq 3 ordentlich Punkte.
Kanaldeckel, Querfugen und Kopfsteinpflaster bringen erstaunlich wenig Unruhe ins Auto. Der Hyundai federt komfortabel, ohne dabei schwammig zu wirken. Dazu kommen niedrige Abrollgeräusche.
Auch außerhalb der Stadt bleibt dieser Eindruck erhalten. Bei höherem Tempo lenkt der Ioniq sauber ein und bietet ordentlich Grip.
Unser Testwagen war allerdings die N Line Evo-Topversion mit üppigen 225/45er-Reifen. Günstigere Varianten mit anderer Rad-Reifen-Kombination können sich entsprechend etwas anders fahren.
Ausgerechnet beim Elektroantrieb fehlt der Punch
Während das Fahrwerk einen ziemlich erwachsenen Eindruck hinterlässt, kann der Antrieb da nicht ganz mithalten.
Interessanterweise ist dabei die Version mit dem größeren Akku nicht gleichzeitig die leistungsstärkere.
Mit der 61-kWh-Batterie leistet der Elektromotor 135 PS. Die Variante mit dem kleineren 42,2-kWh-Akku kommt dagegen auf 147 PS. Beide stellen maximal 250 Newtonmeter bereit.
Für den Sprint von 0 auf 100 km/h benötigt der Ioniq 3 je nach Ausführung zwischen 9,0 und 9,6 Sekunden.
Das wäre grundsätzlich kein Problem. Schließlich möchte dieser Hyundai kein Elektro-GTI sein.
Störender ist die Leistungsentfaltung im Alltag. Gerade an Steigungen oder bei einem schnellen Zwischenspurt wirkt der Antrieb überraschend zurückhaltend. Der spontane Schub, den man inzwischen selbst von vielen schwächeren Elektroautos kennt, fehlt.
Wer hauptsächlich entspannt durch Stadt und Umland fährt, dürfte damit gut zurechtkommen. Wer von einem Elektroauto automatisch einen kräftigen Antritt erwartet, könnte dagegen enttäuscht sein.
14,8 kWh im dichten Stadtverkehr
Dafür kann der Ioniq 3 an einer anderen Stelle punkten: beim Verbrauch.
Nach unserer Fahrt zeigte der Bordcomputer lediglich 14,8 kWh pro 100 Kilometer an.
Gerade angesichts des dichten Stop-and-Go-Verkehrs ist das ein ordentlicher Wert. Selbst mit dem kleineren 42,2-kWh-Akku sollten damit im Alltag deutlich mehr als 275 Kilometer möglich sein, sofern sich ein ähnlicher Verbrauch reproduzieren lässt.
Hyundai verzichtet beim Ioniq 3 auf die aufwendige 800-Volt-Technik der größeren Ioniq-Modelle. Stattdessen arbeitet das Auto mit einer 400-Volt-Architektur.
Für diese Fahrzeugklasse ist das kein Drama.
10 bis 80 Prozent in rund 30 Minuten
Die große 61-kWh-Batterie soll an einem entsprechend leistungsfähigen Schnelllader ungefähr 30 Minuten benötigen, um von zehn auf 80 Prozent geladen zu werden.
Keine Rekordzeit, aber absolut alltagstauglich.
Interessanter könnte für manche Käufer ohnehin die AC-Seite sein. Optional kann der Ioniq 3 mit bis zu 22 kW Wechselstrom laden.
Wer Zugang zu einer entsprechend leistungsfähigen öffentlichen Ladesäule hat, kann damit beispielsweise während eines Einkaufs eine relevante Menge Energie nachladen, ohne einen DC-Schnelllader benutzen zu müssen.
Hyundai Ioniq 3 startet bei 28.950 Euro
Und dann kommt das vielleicht stärkste Argument für den kleinen Hyundai: der Preis.
Der Ioniq 3 startet bei 28.950 Euro und bleibt damit in der Basisversion deutlich unter der psychologisch wichtigen 30.000-Euro-Marke.
Natürlich muss man dafür auf einige Ausstattungsdetails verzichten. Gerade das fehlende Fahrerdisplay der günstigeren Versionen würden wir bei der Konfiguration im Hinterkopf behalten.
Grundsätzlich bekommt man aber erstaunlich viel Auto fürs Geld: ordentlich Platz, einen brauchbaren Kofferraum, ein komfortables Fahrwerk, moderne Software und einen offenbar ziemlich effizienten Elektroantrieb.
Nur wer sich von einem Elektroauto automatisch kräftigen Schub verspricht, sollte vor dem Kauf unbedingt eine Probefahrt machen.
Denn ausgerechnet beim Beschleunigen zeigt sich der Ioniq 3 zurückhaltender, als es sein ansonsten ziemlich überzeugender Auftritt erwarten lässt.









