Stellt euch vor, das geilste Triebwerk im ganzen Maybach-Regal steht direkt vor euch – und ihr dürft es nicht mal dann bestellen, wenn ihr Kohle im Überfluss hättet. Genau das ist gerade die bittere Wahrheit für uns hier in Deutschland. Wir haben uns den Zwölfzylinder trotzdem ganz genau angeschaut, und ehrlich: Der Frust danach war nochmal größer.
Ein Motor, den es bei uns nicht mehr gibt
Der V12 im Maybach S 680 ist in Europa Geschichte. Die neuen Euro-7-Regeln haben ihm hierzulande den Stecker gezogen, übrig bleibt nur noch der V8 mit Mildhybrid-Unterstützung. Einzige Ausnahme: der gepanzerte S 680 Guard, in dem der Zwölfender als Kraftreserve weiterlebt.
In den USA dagegen läuft der Biturbo einfach weiter vom Band, und genau da durften wir ihn erleben. 5,98 Liter Hubraum, zwölf Zylinder, zwei Turbolader – so muss ein Krawallmacher fürs Chefzimmer aussehen, auch wenn der hier eher leise Töne anschlägt.
612 PS, 900 Nm – die Zahlen, die zählen
Klar, Mercedes wird nicht müde zu erzählen, dass der V8-Hybrid mit identischen 612 PS sogar spritziger unterwegs ist als der Zwölfzylinder. Mag technisch stimmen. Trotzdem: 900 Newtonmeter aus einem V12 fühlen sich einfach anders an als aus acht Töpfen.
Bis zu 250 km/h Spitze, 4,5 Sekunden auf Tempo 100 – bei fast 2,25 Tonnen Kampfgewicht sind das Werte, die die Physik ziemlich dreist ignorieren. Der Allradantrieb und die 9G-Tronic schicken die Kraft so geschmeidig auf die Straße, dass man den Ernst der Lage im Innenraum kaum mitbekommt. Ein echtes Monster im Schafspelz, dieser Bolide.
Optik mit Rosègold und XXL-Grill
Von außen zeigt der V12 seine Extraklasse ziemlich dezent, aber wer hinschaut, sieht’s sofort. In den Scheinwerfern blitzt ein Hauch Rosègold, der Kühlergrill fällt gut 20 Prozent größer aus als bisher, und der Rahmen lässt sich mystisch beleuchten. Am Heck sitzt zusätzlich ein feines V12-Signet – bei uns in Europa sucht man das vergeblich.
Innen geht die Post erst richtig ab: Das Manufakturprogramm „made to measure“ macht so ziemlich alles möglich, was gegen Aufpreis geht. Bestickte Kissen, ein eigener Humidor, Lederfarben für Dach und Sitze nach Wunsch – hier wird aus einer Limousine ein rollendes Statement. Der 3,40 Meter lange Radstand schenkt der Fondsitzbank auf Knopfdruck Liegefunktion, inklusive Wadenmassage und Rückenkneten. Ab dafür!
Sound? Den musst du dir schon erarbeiten
Das Irre am V12: Er verhält sich im Alltag komplett unauffällig. Die Luftfederung bügelt alles glatt, was sich dem 5,48 Meter langen Koloss in den Weg stellt, und der Antritt kommt aus jedem Tempobereich, ohne dass man dem Motor irgendeine Anstrengung anmerkt. Erst auf dem Highway, mit Vollgas und leiser gedrehtem Soundsystem, hört man das leise Säuseln des Zwölfzylinders durch – die Sportwagen-Gene stecken tief drin, geben sich aber wirklich nur denen preis, die genau hinhören.
Preis-Hammer mit bitterem Beigeschmack
In den Staaten startet der Maybach S 680 V12 bei rund 244.000 US-Dollar – für dieses Format an Exklusivität, Laufkultur und Liegekomfort ist das fast schon fair kalkuliert. Und genau deshalb tut’s so weh, dass wir hier in Europa nur noch zuschauen dürfen. Der V8-Hybrid ist zweifellos ein starkes Auto, fast genauso schnell, fast genauso kraftvoll. Aber „fast“ ist eben nicht dasselbe wie zwölf Zylinder unter der Haube eines Maybach.
Wer diesen Boliden einmal live erlebt hat, der weiß: Manche Dinge sollten einfach so bleiben, wie sie sind. Schade nur, dass wir bei diesem hier nur noch mit den Amerikanern mitfiebern können.

















