VW ID. Polo GTI: Na also, geht doch

Volkswagen überträgt das GTI-Konzept ins Elektrozeitalter: Der neue ID. Polo GTI ist das erste vollelektrische Modell der Marke mit den traditionsreichen drei Buchstaben. Dabei soll der Stromer nicht einfach nur mehr Leistung bieten als der normale ID. Polo, sondern das typische GTI-Fahrgefühl mit Alltagstauglichkeit und sportlicher Agilität verbinden.

Nach einigen schwächeren GTI-Jahren bei Golf III und Golf IV hat Volkswagen die sportliche Modellfamilie wieder stärker auf ihre ursprünglichen Werte ausgerichtet. Fahrspaß, direkte Reaktionen und Alltagstauglichkeit stehen heute erneut im Mittelpunkt. Genau diese Kombination soll nun auf einen Elektroantrieb übertragen werden. Das ist für Volkswagen durchaus ein besonderer Schritt: In der rund 50-jährigen Geschichte der GTI-Modelle gab es bislang kein vollelektrisches Fahrzeug mit diesem Kürzel.

Für Vortrieb sorgt im ID. Polo GTI die neue Elektroantriebseinheit APP290. Die Bezeichnung verweist auf die achsparallele Positionierung der E-Maschine, während die Zahl 290 das maximale Drehmoment von 290 Newtonmetern angibt. Der Elektromotor bringt 166 kW beziehungsweise 226 PS auf die Vorderräder. Damit beschleunigt der elektrische Kleinwagen in 6,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Bei 175 km/h endet der Vortrieb elektronisch.

Die Antriebstechnik ist kompakt im Vorderwagen untergebracht. Neben dem Elektromotor sitzen dort das Eingang-Getriebe und der neu entwickelte Pulswechselrichter. Möglich wird die Konstruktion durch die MEB+-Architektur. Der ID. Polo ist damit erstmals als ID-Modell mit Frontantrieb unterwegs. Gleichzeitig erinnert das Antriebskonzept an die Anfänge des GTI: Auch der erste Golf GTI übertrug seine Kraft ausschließlich auf die Vorderräder.

Mehr ELECTRIC RIDES:

Gerade der Frontantrieb stellt die Entwickler beim sportlichen Elektro-Polo allerdings vor eine Herausforderung. Um Traktionsprobleme und ausgeprägtes Untersteuern in schnellen Kurven zu vermeiden, wurde das Fahrwerk umfangreich angepasst. Zur Serienausstattung gehört eine elektronisch geregelte Vorderachsquersperre. Sie kann die Antriebskraft variabel zwischen den beiden Vorderrädern verteilen und arbeitet dabei mit ESC und XDS zusammen.

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Ergänzt wird die Fahrwerkstechnik durch ein adaptives DCC-Sportfahrwerk, eine Progressivlenkung, ein One-Box-Bremssystem, eine steifere Hinterachse, eine spezielle Feder-Dämpfer-Abstimmung sowie eigens entwickelte GTI-Reifen. Die Quersperre ermöglicht dabei eine besonders konsequente Nutzung der Rekuperation. Die verschiedenen Rekuperationsstufen lassen sich über die Schaltwippen am Lenkrad anwählen.

Das adaptive DCC-System passt die Dämpfercharakteristik kontinuierlich an Fahrbahn und Fahrsituation an. Im Comfort-Modus soll der ID. Polo GTI entsprechend komfortabler unterwegs sein, während das GTI-Programm die Abstimmung deutlich straffer auslegt. An der Vorderachse kommt eine MacPherson-Konstruktion zum Einsatz. Spezielle Federbeinlager, modifizierte Schwenklager und eine besonders steife Stabilisatoranbindung sollen für präzisere Reaktionen sorgen.

An der Hinterachse arbeitet eine speziell abgestimmte Verbundlenkerachse. Sie verfügt über einen steiferen Achskörper und Scheibenbremsen. Zusammengenommen soll die Fahrwerksabstimmung dafür sorgen, dass der elektrische GTI trotz seines Frontantriebs möglichst direkt und agil auf Lenkbefehle reagiert.

Die Energieversorgung übernimmt eine 52 kWh große NMC-Batterie. Volkswagen setzt dabei auf die neue konzernweit verwendete Einheitszelle in Cell-to-Pack-Bauweise. Dabei werden die Batteriezellen ohne herkömmliche Modulgehäuse direkt zu Packs zusammengefügt. Das spart Bauraum und Gewicht und ermöglicht zugleich eine stärkere Integration des Akkus in die Fahrzeugstruktur.

Nach WLTP soll der ID. Polo GTI bis zu 424 Kilometer mit einer Akkuladung schaffen. Wechselstrom kann mit bis zu 11 kW aufgenommen werden. An einer Gleichstrom-Schnellladestation sind maximal 105 kW möglich. Für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent nennt Volkswagen 24 Minuten. Dabei soll die Ladeleistung über einen großen Teil des Ladevorgangs vergleichsweise konstant bleiben.

Auch im Innenraum wird das GTI-Erbe aufgegriffen. Rot und Schwarz prägen das Ambiente, während die Sportsitze mit dem für die sportlichen Volkswagen-Modelle typischen Karomuster bezogen sind. Grundsätzlich orientiert sich das Cockpit am normalen ID. Polo. Das digitale Kombiinstrument ist 10,25 Zoll groß, der zentrale Touchscreen misst 12,9 Zoll.

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Volkswagen setzt beim ID. Polo GTI zugleich auf eine Bedienphilosophie, die wieder stärker auf physische Bedienelemente setzt. Am Lenkrad befinden sich klassische Tasten, für die Klimatisierung gibt es separate Bedienelemente und die Lautstärke wird über einen Drehregler gesteuert. Zum Infotainment gehört außerdem eine Retro-Anzeige, deren Gestaltung an einen späten Golf I erinnert.

Ein eigenes GTI-Fahrprofil erweitert die Auswahl der Fahrmodi. Es lässt sich über einen separaten Knopf am Multifunktionslenkrad aktivieren. Im entsprechenden Modus werden unter anderem die Charakteristik der E-Maschine, die Progressivlenkung und das adaptive DCC-Sportfahrwerk auf eine sportlichere Abstimmung gestellt.

Optisch bleibt der ID. Polo GTI eng mit der bekannten Polo-Silhouette verbunden. Die gerade Fensterlinie, der lange Radstand von 2,599 Metern und die kurzen Karosserieüberhänge prägen weiterhin die Proportionen. Die drei GTI-Buchstaben dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen und sitzen unterhalb der Lichtspange an der Front.

Und noch ein paar ELECTRIC RIDES:

Mit 4,097 Metern Länge, 1,816 Metern Breite und 1,515 Metern Höhe steht der elektrische GTI vergleichsweise breit und kräftig auf der Straße. Serienmäßige 19-Zoll-Leichtmetallräder unterstreichen den sportlichen Auftritt.

Trotz der sportlichen Ausrichtung soll der ID. Polo GTI ein alltagstauglicher Kleinwagen bleiben. Dafür spricht auch das Gepäckraumvolumen von 441 Litern. Werden die Rücksitzlehnen umgelegt, stehen bis zu 1.243 Liter zur Verfügung.

Damit versucht Volkswagen, das klassische GTI-Rezept auf die Elektromobilität zu übertragen: kompakte Abmessungen, Frontantrieb, ein agiles Fahrwerk und ein auffälliger Innenraum treffen auf einen emissionsfreien Antrieb. Ob sich das typische GTI-Gefühl auch ohne Verbrennungsmotor und manuelles Getriebe überzeugend umsetzen lässt, wird letztlich vor allem die Abstimmung auf der Straße zeigen.