Die ultimative Can-Am Ryker FAQ-Übersicht

Staubig gefahren hatten wir uns ja bereits im Frühjahr in Portugal mit dem Can-Am Ryker Topmodell, der „Rally Edition“. Jetzt hatten wir zwei Wochen das Einstiegsmodell im Redaktionsfuhrpark. Wie erging es uns also mit dem Dreirad ganz ohne Schotterpisten im deutschen Alltag?

Gut erging es uns, aber eins ist nach knapp 600 Kilometern auf (viel) Landstraße, (einiges an) Stadtverkehr und (kaum) Autobahn klar geworden: Wer Ryker fährt, ist charakterstark, kontaktfreudig und stets gesprächsbereit. Denn das Dreirad polarisiert und wirft überall, wo man auftaucht, interessierte Fragen auf. Darum hier unsere ganz persönliche FAQ Übersicht zum Can-Am Ryker 600.

„Ha, was is’n des für a Kärrele?“ Das fragte uns mit breitestem Schwäbisch schon nach wenigen Kilometern eine ältere Dame freundlich lächelnd an einer Kreuzung aus ihrem alten 124er Mercedes Kombi heraus.

Das Kärrele ist ein Dreirad, 2,35m lang, 1,50m breit und 1,00m hoch. „Kärrele“ ist dabei schon sehr verniedlichend, denn immerhin bringt der Ryker 270kg auf die Waage. Doch schauen wir uns den Ryker mal genauer an: Flach über den Boden geduckt, mit weit geöffnetem Kühlerschlund, grimmig dreinschauend mit den beiden außenliegenden LED Scheinwerfersatelliten funkelnd (die innenliegenden Halogenscheinwerfer dienen nur dem Fernlicht) und mit gelben Bodypanels geschmückt, wirkt der Ryker wie eine Kreuzung aus Batmobil und Wespe. Also durchaus ein dynamisches Erscheinungsbild, dieser Ryker.

„Boah, ist das geil, fährt das schnell?“ Das war der erfrischende Ausspruch eines kleinen Jungen, der an einer Kreuzung sogar vor Freude auf die Straße Sprang und den Ryker gleich anfassen musste. Die ehrliche Antwort? Nein, der Ryker ist nicht das schnellste Fahrzeug mit drei Rädern unter der Sonne. Dafür wäre sein entfernter Verwandter, der Can-Am Spyder F3-S mit Sportmodus schon die bessere Wahl (beschleunigt mal eben von 0 auf 100 in unter 5 Sekunden).  Doch das muss er auch gar nicht sein. Auf dieses Ziel hin wurde er nicht entwickelt, diesem Ziel ist auch die Kombination aus 50 PS starkem 600ccm-Motor und CVT-Getriebe nicht untergeordnet. Vielmehr soll der Ryker ein Spaßgefährt zum Cruisen und – seien wir ehrlich – auch zum Showlaufen sein. Denn Defizite beim Topspeed wetzt das coole Ding beim Cruisen über den Strip voll aus. Wer nur durch die Lande heizen will, der ist mit dem Ryker falsch beraten und sollte sich fürs offene Fahren eher einmal den Spyder als Naked Version ansehen.

„Wer baue diese Macchina? Mercedes, VW oder Audi?“ will ein italienischer BMW X5 Fahrer, den wir beim Parken vorm Eiscafé getroffen haben, wissen.

Natürlich keiner der genannten, sondern Bombardier Recreational Products (kurz BRP). Die sitzen in Kanada und wie der Name schon erkennen lässt, sind sie mit dem bekannten Flugzeug- und Eisenbahnproduzenten verwandt, aber seit 2003 als eigenständiges Unternehmen unterwegs. Der Ryker wurde übrigens Ende 2018 vorgestellt und ist die zweite Baureihe von BRP, die 2007 mit dem Spyder ihren ersten Threewheeler präsentierten.

„Kann ich den auch fahren?“ wollte eine junge Frau wissen, die in ihrem Cabrio neben uns durch zähen Feierabend-Verkehr rollte.

Oh ja, sie kann, denn der Ryker ist mit einem Pkw-Führerschein zu bewegen – und das ist für den Hersteller ein ganz wichtiges Verkaufsargument. Man braucht keinen Motorradführerschein. Entsprechend ist auch die Bedienung simpel gehalten. Nur ein Bremspedal für den rechten Fuß, und ein Gasgriff für die rechte Hand. Das war’s.

„Wie kommst Du denn aus der Parklücke raus?“ Wollte noch am gleichen Abend ein junger Mann in einer Tiefgarage wissen.

Gute Frage, denn auch dafür ist der Ryker gewappnet: Es gibt einen Rückwärtsgang. Der lässt sich per Hand oder Fuß einlegen und sitzt auf der linken Seite oberhalb der Fußraste. Hat man einmal den Kniff raus (Bremse drücken nicht vergessen) und lässt sich auch von dem nervigen Warnsignal für die Rückwärtsfahrt nicht irritieren, klappt das wunderbar.

„Was kostet denn so‘n Teil?“ wollten eigentlich alle wissen. Und das bestimmt nicht nur, weil die zwei Testwochen im Schwabenland stattfanden.

Exakt 9.799 Euro war stets unsere Antwort, für das ultimative Styler- und Cruiser-Gefühl. Nur zum Vergleich: Ein gutes Mittelklasse Motorrad mit ähnlichem Hubraum kostet rund 1.500 weniger. Ein Mazda MX-5 kostet mehr als das Doppelte.

Und häufig kam dann die Zusatzfrage: „Kann ich den mal Probe fahren?“ Klar kann man! Can-Am bietet dafür auf seiner Homepage nicht nur die Möglichkeit, direkt eine Probefahrt anzufragen, sondern auch eine gute Händlersuche. Sprich: wer es nicht schafft, einmal auf einem Ryker zu sitzen, ist selber schuld.

Und wir können jetzt schon eins versprechen, es lohnt sich. Denn Aufsehen erregt das Dreirad immer und überall. Und Spaß, ja Spaß macht der Ryker eben auch. Sprich: wer keinen Motorradführerschein besitzt und für ein reines Spaßfahrzeug weder 25.000 Euro noch den notwendigen Platz übrig hat, ist mit einem Can-Am Ryker blendend bedient.

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