Kaum schien Gordon Murray mit dem extrem exklusiven S1 LM den Höhepunkt seiner automobilen Schöpfungen erreicht zu haben, folgt bereits der nächste Wurf. Mit dem Gordon Murray Special Vehicles S1 bringt die britische Sportwagenschmiede ein Modell auf den Markt, das sich noch stärker an Puristen richtet. Die Inspiration ist dabei unübersehbar: Der S1 versteht sich als moderne Hommage an den legendären McLaren F1, den Gordon Murray selbst maßgeblich entwickelt hat.
Vom S1 LM zum S1
Um den neuen S1 einzuordnen, lohnt ein Blick auf den vor einem Jahr vorgestellten S1 LM. Dieser wurde als moderne Interpretation des McLaren F1 LM konzipiert, einer extrem seltenen Straßenversion als Hommage an den McLaren F1 GTR, der 1995 die 24 Stunden von Le Mans gewann.
Der S1 LM kombiniert zentrale Merkmale von Murrays Sportwagenphilosophie: eine zentrale Sitzposition, einen hochdrehenden V12 und ein manuelles Getriebe. Der auf lediglich fünf Exemplare limitierte Supersportwagen ist entsprechend begehrt. Das erste Fahrzeug wechselte Ende 2025 bei einer Auktion für mehr als 20 Millionen US-Dollar den Besitzer.
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Der neue S1 geht einen etwas anderen Weg. Technisch basiert er auf einer weiterentwickelten Variante des S1-LM-Chassis, wurde aber stärker auf den Einsatz als Langstrecken- und Reisefahrzeug ausgelegt. Gleichzeitig verzichtet er auf einen Teil der extremen Aerodynamik des LM.
Frontsplitter, Seitenschweller und der große Heckflügel verschwinden. Dadurch wirkt der S1 deutlich reduzierter und erinnert stärker an den ursprünglichen McLaren F1. Nahezu sämtliche Carbon-Karosserieteile sind neu entwickelt. Lediglich Dach und Motorabdeckung stammen konzeptionell aus dem Umfeld des S1 LM. Auch die Scheinwerfer wurden neu gestaltet.
Besonders auffällig sind die runden Leuchten in den Lufteinlässen der Front sowie die neu gezeichneten Räder. Beide Elemente greifen ein Design des McLaren F1 aus dem Jahr 1992 auf – genauer gesagt des damaligen Monaco-Showcars.
64 Exemplare statt fünf
Während vom S1 LM lediglich fünf Fahrzeuge gebaut werden, ist die geplante Stückzahl des S1 deutlich höher: 64 Exemplare sollen entstehen. Damit bleibt das Modell trotzdem eine absolute Rarität. Zum Vergleich: Vom Gordon Murray T.50 sind 100 Fahrzeuge vorgesehen, vom noch radikaleren T.50S lediglich 25.
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Allerdings ist die gesamte Produktion des S1 bereits verkauft. Einen offiziellen Preis nennt Gordon Murray Automotive bislang nicht. Angesichts der Exklusivität dürfte er jedoch im Millionenbereich liegen.
Die größere Stückzahl ist laut Gordon Murray vor allem auf die enorme Nachfrage nach dem S1 LM zurückzuführen. Viele potenzielle Kunden hätten sich eine Variante ohne dessen extreme Aerodynamik gewünscht. Genau aus diesem Wunsch sei letztlich der S1 entstanden.
Mehr Komfort, gleiche Grundarchitektur
Unter der Karosserie bleibt die technische Verwandtschaft zum S1 LM deutlich sichtbar. Breite, Spurweite, Reifenabmessungen und die grundsätzliche Fahrwerksarchitektur wurden übernommen. Gleichzeitig erhielt der S1 mehrere Anpassungen für einen komfortableren Straßeneinsatz.
Die Bodenfreiheit wächst um zehn Millimeter. Hinzu kommen komfortabler abgestimmte Dämpfer und eine zuschaltbare Servolenkung. Die markanten Scherentüren wurden ebenfalls überarbeitet und verfügen nun über richtige absenkbare Seitenscheiben.
Ganz ohne aktive Aerodynamik kommt der S1 allerdings nicht aus. Entsprechende Elemente sind in den Heckdiffusor integriert. Zwar erzeugt der Wagen damit nicht annähernd den Abtrieb des S1 LM, die aktive Aerodynamik soll bei steigender Geschwindigkeit aber für ein ausgewogenes Fahrverhalten sorgen.
4,2-Liter-V12 mit 12.100 U/min
Für Vortrieb sorgt derselbe größere Cosworth-V12 wie im S1 LM. Der 4,2-Liter-Saugmotor dreht bis zu 12.100 U/min und entwickelt 681 PS sowie 367 lb-ft Drehmoment, was rund 498 Nm entspricht.
Für den stärker auf Langstrecken ausgelegten S1 wurde das Triebwerk allerdings neu abgestimmt. Das maximale Drehmoment steht bereits ab 2.500 U/min zur Verfügung und soll damit im Alltag besser nutzbar sein.
Geschaltet wird weiterhin von Hand über ein Sechsganggetriebe. Für längere Autobahnetappen verfügt der S1 serienmäßig über einen länger übersetzten sechsten Gang.
Auch der Motorraum ist ein kleines Kunstwerk. Zu den besonderen Details gehören eine polierte Abgasanlage aus Inconel sowie eine Hitzeschutzabschirmung aus 24-karätigem Gold.
Eine Ausnahme für einen ganz besonderen McLaren-Erben
Gordon Murray selbst sieht die Produktion von 64 Fahrzeugen durchaus als ungewöhnlich umfangreich für die Special-Vehicles-Abteilung an. Eigentlich sei eine derart hohe Stückzahl nicht vorgesehen gewesen. Beim S1 mache man jedoch bewusst eine Ausnahme.
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Der Grund liegt in seiner besonderen Bedeutung: Der Wagen soll nicht einfach ein weiterer exklusiver Supersportwagen sein, sondern eine direkte Verbindung zu jenem Auto herstellen, das Murrays Ruf als Konstrukteur entscheidend geprägt hat – dem McLaren F1.
Mit seiner zentralen Sitzposition, dem frei saugenden V12, dem manuellen Getriebe und dem konsequenten Leichtbau bleibt der S1 damit einer automobilen Philosophie treu, die zunehmend selten wird. Und weil alle 64 Exemplare bereits vergeben sind, dürfte auch dieses Kapitel der Gordon-Murray-Geschichte schon vor Produktionsbeginn für Sammler besonders interessant sein.
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