Driven: Kia cee’d GT – feiner Hot Hatch mit Potenzial

„Sie wissen schon, warum wir Sie anhalten?“ Noch klang der dem zivilgrauen Opel Astra  entstiegene Beamte freundlich. Bestimmt zwar, aber eben freundlich. Ehe eine entschuldigende Antwort folgen konnte, ging es weiter: „Nicht nur wegen der überhöhten Geschwindigkeit, sondern auch wegen des Missachtens der durchgezogenen Linie und des Überholverbots. Mein Kollege berechnet gerade das Bußgeld.“

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Aha. Na super. Doch was war passiert? Es war die erste Fahrt mit dem kräftig roten Kia cee’d GT. Gegen 22:00 nach einem späten Feierabend in der Redaktion auf dem Weg nach Hause. Hausstrecke, wenig Verkehr – die volle Spielwiese eben. Den starken Koreaner in den ersten zwei, drei Kurven ein wenig ausprobiert, seine Reaktionen getestet um für den schönen Streckenteil mit ihm vertraut zu sein.

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Ceed-GT-(5)Dumm nur, wenn dann eben auf dem letzten noch beschränkten – sowohl was Geschwindigkeit, als auch Überholverbot angeht – Meter besagter grauer Opel Astra gemütlich vor sich hindieselt. Ohne zurückzuschalten schlüpfte der GT am Rüsselsheimer vorbei, drehte saftig durch die dank Overboost  auf knapp 300 Nm angefettete Drehzahlmitte und warf sich bestimmt in Richtung Begrenzer. Dabei musste in den nun beginnenden Kurven nicht einmal stark vom Gas gegangen werden. Leichtes Lupfen reichte aus, um das Fahrwerk setzen zu lassen, die 18-Zoll-Michelins mit dem Asphalt zu verzahnen und die ganze Fuhre mit diesem charakteristischen „FWD-am-Limit-Grummeln-und-Mahlen“ bei vollem Druck ums Eck zu schieben.

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Und die Begeisterung war wirklich groß. Für einen ersten Versuch ist dieser Hot Hatch aus Korea wirklich eine reife Leistung. Klar, VW kann sowas, schließlich bauen sie seit Jahrzehnten GTIs und die teuren MINIs haben ihre Berechtigung gar nur wegen der knackigen Fahrwerke – aber einem Kia hätte man eine solche Performance aus dem Stand nicht zugetraut. So kommt es, dass Du bereits in der dritten Wechselkurve beinahe den Frontantriebs-Temporekord brichst und vom Opel Astra im Rückspiegel schon lange nichts mehr zu sehen ist. In der folgenden Ortschaft schnell die Sechste eingespannt und ein wenig ausrollen und verschnaufen. Plötzlich ist der Astra wieder da. Mit wilder Seitenneigung rudernd und leider auch mit blauer Rundumleuchte auf dem Dach. Oha. Das könnte jetzt unangenehm werden.

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Und so dauerte die Kalkulation des Beamtenkollegen dann auch ein wenig länger. Was aber nicht daran lag, dass das Bußgeld dramatische Höhen annahm, sondern schlicht und ergreifend, weil das Tempovergehen nicht bewiesen werden konnte. Denn das Videosystem der Zivilstreife konnte den schnellen Kia einfach nicht lange genug für eine gültige Messung verfolgen. Es blieb also bei einer Ermahnung und eben dem Vergehen – wenn auch auf dem letzten Meter – die durchgezogenen Linie überfahren zu haben.

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Ceed-GT-(4)In den folgenden Tagen wurde der cee’d GT dementsprechend genügsamer bewegt. Mehr Zeit mit dem Touchscreen-Infotainment und all den anderen Spielereien im Innenraum verbracht. Etwa den Supervision-Instrumenten, die auf Knopfdruck entweder klassisch, oder digital mit Balkenanzeigen von Ladedruck und Drehmoment mit den gewünschten Informationen versorgen. Doch so richtig kann man sich dem Reiz des schnellen Koreaners nicht entziehen. So komfortabel die Recaros-Sportsitze auch sind, ihr Seitenhalt zeigt ständig an: Hier geht was – also lass’ gehen! Dazu liegt der Schaltknauf des Sechsgang-Getriebes zu gut in der Hand und das Lenkrad mit seinen roten Nähten schmeichelt Dir ebenfalls und will ordentlich gepackt werden.

Ceed-GT-(8)Und schon geht es wieder dahin. Der 204 PS starke 1.6 Liter T-GDI-Vierzylinder mit seinem TwinScroll-Lader marschiert stramm durch die Drehzahlskala. Dabei ist er frei von Verzögerung, und auch von jedweder Drehmomentschwemme. Er bleibt stets linear in der Kraftentfaltung und macht die Dosierbarkeit entsprechend einfach. Doch so gut Motor und Getriebe auch sind, es ist das Fahrwerk, das uns packt.

Selten sind wir so komfortabel und gleichzeitig so schnell in einem Hot Hatch gefahren. Mit angenehm sanfter Dämpfung erlaubt der GT dem Aufbau einen gewissen Spielraum zu arbeiten. Und so können sie die breiten Michelin-Reifen in jeder Situation perfekt mit dem Untergrund verzahnen, ohne je durch derbe Stöße und harte Schläge überbeansprucht zu werden. In Summe ist der Kia deshalb wirklich schnell. Mit ein bisschen Bewegung zwar, aber gänzlich ohne Dramatik. Einfach gut. Sicher gibt es schnellere Konkurrenten, gerade in der Lenkung auch präzisere, aber es ist die Unaufgeregtheit des Kias, die punktet. Das unmittelbare Vertrauen in sein Können, dass Dich im echten Leben und vor allem in jeder Situation unglaublich schnell werden lässt.

Doch irgendwann dann, wenn die Reifen das erste Mal ein wenig um Gnade rufen, der Scheitelpunkt perfekt getroffen und der Motor bei der perfekten Drehzahl ins Vollgas entlassen wird, merkst Du: Hier geht schon noch mehr. Ein bisschen mehr Leistung, ein bisschen mehr Drehmoment – dann wäre das Fest noch rauschender.

Für einen ersten Versuch in der Kategorie der kompakten Spaßmacher kann es wohl kein besseres Kompliment geben. Denn schnell geradeaus können viele. Schneller um die Kurve, als es der Antriebsstrang hergibt, die wenigsten. Und so hat Kia mit dem cee’d GT wirklich ein feines Autos auf die Räder gestellt. Vielleicht schenken sie uns ja bald sogar noch einen cee’d RS. Das Chassis und uns würde es freuen.

Technische Daten*
Modell: Kia cee’d GT
Motor: Vierzylinder-Turbo, 1.591 ccm
Leistung: 150 kW / 204 PS bei 6000 U/min
Drehmoment: 265 Nm bei 1.750 U/min
Antrieb: Front, Sechsgang-Getriebe (manuell)
Gewicht: 1.382 Kg
Abmessungen (LxBxH): 4,31 x 1,78 x 1,47
Verbrauch: 7,4 Liter/100 Km Super
0-100km/h: 7,7 Sek.
Vmax: 230 km/h
Preis: ab 24.490 Euro
* Herstellerangaben