Sein Chassis ist schon zehn Jahre alt. Das letzte Sondermodell, der 488 Pista, ist zu Großteilen noch nicht einmal an seine – horrende Summen zahlenden – Kunden ausgeliefert, da schiebt Maranello schon einen Nachfolger an den Start: den F8 Tributo.

Interessant dabei ist, dass es eigentlich kein Nachfolger ist. Der F8 ist lediglich ein Facelift des Facelifts, denn der 488 GTB von 2015 stammt direkt vom 458 Italia aus 2009 ab. Dazu kommt, dass man wirkliche technische Innovation suchen muss. Natürlich, der Motor – weiterhin der 3,9-Liter V8-Biturbo – ist um 50 PS auf 720 PS erstarkt und drückt gewaltige 770 Nm an die Hinterachse. Die Beschleunigung liegt bei 2,9 Sekunden auf 100 km/h und der Topspeed bei 340 km/h.

Die Aerodynamik wurde um 10% verbessert und das Trockengewicht um 40 kg reduziert. Fantastische Werte ohne Zweifel, aber eben nur mit Blick auf den Serien 488 und nicht auf den Pista. Denn dieser kann mit den gleichen Zahlen reizen. Die Kunden sind also entsprechend überrascht, warum Ferrari nun die Einzigartigkeit und das Besondere des Pista an „alle“ Kunden weitergibt.

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Dabei liegt die Antwort recht nah: Man hat Angst vor der Konkurrenz. Hatte McLaren in der Vergangenheit mit dem MP4-12C und auch mit dem 650S noch Respektabstand zu den Ferrari, so ist der neue 720S den Italienern je nach Fahrer und Strecke meist überlegen.

Selbst der Pista kommt hier oft nur mit speziell angepasstem Fahrwerk und wirklich handverlesenen Rennreifen hinterher – wenn überhaupt. Um die Schmach nicht zu groß werden zu lassen, muss also der F8 Tributo so hochgerüstet werden, wie es nur irgend geht – Sondermodell-Kunden müssen dann einfach hintenanstehen.

Und dabei hat McLaren vom 720S noch gar kein Sportmodell gezündet, keinen Long Tail oder gar eine ähnlich fokussierte Trackvariante wie Ferraris Pista. Dazu kommt der Aston Martin Vanquish, der nicht nur aerodynamisch in einer ganz anderen Liga spielen wird, sondern mit seinem Hybridantrieb die Technologie-Latte der „kleinen“ Supersportler ein gehöriges Maß höher hängen wird.

Ferrari hat sich mit dem Tributo also nur ein bisschen Zeit erkauft – wohlwissend, dass der F8 nicht der beste Wurf aller Zeiten ist – F40-Heckfenster hin oder her.

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