Vorsprung durch Technik – den hatte Audi in den Achtzigern. Quattro, Fünfzylinder, Vierventiler, Turbolader. Das waren die Zutaten für ein paar bitterböse Rallye-Tiere, mit denen Blomqvist, Mikkola, Mouton und ein gewisser Röhrl feuerspuckend Sieg um Sieg und Weltmeistertitel einfuhren. Um die großen und relativ ungelenken quattro-Audis agiler und handlicher zu machen mussten sich die Ingolstädter allerdings einiges einfallen lassen.

Der erste Griff galt deshalb der Flex. Großzügig wurden 320mm aus der Karosserie herausgeschnitten um den Radstand zu kürzen und die Fuhre lebendiger zu machen. Dazu dann Leichtbau-Karosserieteile aus Kevlar und GFK. Das Ganze dann mit groben Spoiler, Lufteinlässen und anderem motorsportlichen Beiwerk geschmückt – fertig war der S1. In weiteren Ausbaustufen dann noch schneller und stärker gemacht, bis hinauf zur feinsten Eskalationsstufe: dem S1 Pikes Peak, mit dessen 598 PS der Walter wild zwitschernd 1987 den Sieg am Berg und den bis heute gültigen Streckenrekord für Frontmotor-Fahrzeuge holte.

Audi-S1

Dass das für die Homologation nötige Serienauto, der „sport quattro“, heute in schwindelerregende Preisregionen entschwunden ist liegt allerdings nicht nur an der Legende rund um den Fünfzylinder, sondern auch daran, dass es nur 220 Fahrzeuge gab. Zu Neupreisen ab 195.000 DM. 1984! Ein 911 turbo kostete damals exakt 100.000 DM. Wer also mit dem Gedanken spielt sich ein solches Rallyetier in die Garage zu stellen, der braucht einen soliden Kontostand. Oder eben einen Anruf bei KER innovatec.

Audi-S1-(10)

Denn die Niedersachsen haben sich voll und ganz den Audi-Modellen mit dem rauchigen Auspuffsound verschrieben. Das Team rund um Karten Rose baut auf Basis der normalen quattro-Coupés und Teilen der Limousine in liebevoller Handarbeit die alten Rallye-Modelle 1:1 nach. Als Antriebsstrang dienen die überarbeiteten Aggregate des Audi S2-Coupés, das auch die Achsen spendiert. Dazu kommen ein Überrollkäfig,  passgenaue Anbauteile aus Karbon und Kevlar, sowie die originalen Einbauplätze für Kühler (im Kofferraum) und Kraftstofftank – fertig ist die mindestens 500 PS starke Kopie der Legende. Dass das Ganze gerade 89.000 Euro kostet ist das Tüpfelchen auf dem i. Leider geht sich der eigene S1 Pikes Peak als Ostergeschenk nicht mehr aus, denn die Bauzeit beträgt mindestens ein halbes Jahr. Schade eigentlich. Aber vielleicht klappt es ja zu Weihnachten, denn gerade im Winter wäre so ein Allrad-Hammer schon fein. Dann, wenn alle andächtig unter dem Baum sitzen und die Geschenke auspacken laut brüllend und mit der Flamme am Auspuff frische Spuren in den Schnee ziehen – das hätte schon was!