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Subaru BRZ 2017 im Test: Auto des Lächelns

Es ist schon immer wieder aufs Neue ein Erlebnis, wenn man lange nicht in einem Subaru BRZ gesessen hat: das Einsteigen. Denn selbst wer im Alltag einen auch nicht gerade bushohen Mini John Cooper Works fährt, erschrickt erstmal, wenn er sich in die dunkle Höhle des Japaners fallen lässt. Sitzt er einmal und legt den ersten Gang ein, erschrickt er womöglich auch über den knackig kurzen Schaltweg, der so viel besser ist als in seinem Alltagsauto, von dem man ja eigentlich dachte, dass es ebenfalls…naja, lassen wir das. Jeder, der schonmal einen BRZ oder sein Schwestermodell Toyota GT86 gefahren ist, dürfte wissen, was gemeint ist.

Denn: der Wagen ist im Grunde ein alter Bekannter. Seit 2012 gibt es ihn und er erfuhr bei seiner Vorstellung genau die Beachtung, die ihm auch gebührte. Einen kleinen, japanischen Sportwagen als 2+2 mit wenig Gewicht, reduziert auf das Wesentliche, 200 PS, um die 30.000 Euro Einstiegspreis. Sowas hatte sich seit Jahr und Tag jeder gewünscht, der von den immer fetteren, auf Sicherheit getrimmten und turboverseuchten Deutschfabrikaten nur noch angenervt war. Doch so richtig gelang der Durchbruch nicht, zumindest nicht in Deutschland. Was wir nicht so recht verstehen, denn alle Welt redet von einem solchen Sportwagen, den Subaru baut. Aber kaufen? Nein, da greift man lieber zum Frontkratzer Golf GTI. Grund genug für uns, dem jüngst aufgelegten Facelift des BRZ noch einmal auf den Zahn zu fühlen.

Und da steht er schon, in der für Subaru exklusiven WR Blue Pearl-Lackierung (550 Euro). Auffallend ist aber nicht nur die Farbe, sondern auch die neu gestalteten Frontscheinwerfer, die nun konsequent in Voll-LED ausgeführt sind. Das Tagfahrlicht macht einiges her, ebenso wirkt die Frontschürze frischer. LED-Leuchten finden wir nun auch am Heck. Diese erinnern interessanterweise optisch an Nachrüstlösungen, die es bereits für das Vorfacelift gibt. Die neuen Felgen in Bicolor-Optik lassen den BRZ in der Seitenansicht stämmiger dastehen, der nun auf kleinen Stegen sitzende Heckspoiler steht dem BRZ nach mehrmaligem Hinsehen ebenfalls recht ordentlich.

Auch im Innenraum hat sich ein wenig getan: die Türtafeln mit zusätzlichen Kunstledereinsätzen und roten Nähten wirken nun hochwertiger und auch das verwendete Leder am Lenkrad fühlt sich deutlich angenehmer an als im Vorgänger. Das neue Informationsdisplay rechts neben dem Drehzahlmesser ist hochauflösend gestaltet und zeigt endlich auch die Öltemperatur an. Schade: wer Wert auf ein Navigationssystem legt, muss sich bei Subaru mit einem Zubehörgerät aus dem Hause Clarion zufrieden geben. Dieses sieht, nehmen wir es vorweg, weder gut aus, noch ist es technisch auf der Höhe der Zeit. Zügig klappte lediglich die Koppelung von Gerät und Smartphone. Für alles weitere braucht man viel Geduld – und das zum Preis von mindestens 929 Euro.

Doch das ist auch nicht die Kernaufgabe, der sich ein Subaru BRZ in der Regel stellen muss. Die lautet vielmehr: Fahrspaß! Und dieser stellt sich schon nach den ersten Metern ein. Klar: der unverändert vom Vorgänger übernommene Zweiliter-Boxer ist weder Drehmomentwunder noch „Widowmaker“, giert nach Drehzahlen gerne jenseits der 5.000er-Marke, reagiert schön bissig auf Gaspedalbefehle. Beim ersten Wurf in die Kurve spürt man die kleinen, aber umso wirkungsvolleren Verbesserungen, die Subaru am BRZ zum neuen Modelljahr getätigt hat. Der Japaner liegt dank geänderten Stoßdämpfern und einem verstärkten hinteren Stabi satter auf der Straße und lässt sich nun etwas schwerer aus der Ruhe bringen. Die Tendenz zum Übersteuern ist zwar nach wie vor vorhanden, doch deutlich neutraler als noch beim Vorfacelift. Interessant: den vormaligen „Sport“-Modus des ESP nennt man bei Subaru nun „Track“ und dieser scheint der elektronischen Fangleine nun deutlich mehr Freiraum zu lassen, als es der „Sport“-Modus vorher suggerierte. So kann man gefahrlos den ein oder anderen Heckschwenk einlegen, ohne Gefahr zu wandern, gleich in der Botanik zu landen.

Wobei man nicht behaupten kann, dass Werte von 200 PS und 205 Newtonmetern die Michelin Primacy-bereifte Hinterachse tatsächlich überfordern würden. Doch da setzt genau der Trumpf an, den der BRZ zu bieten hat: wie schön es doch ist, ein Auto mit simpler Handschaltung und Hinterradantrieb zu fahren, vergisst man schnell. Im BRZ spürt man das Mehr an Dynamik, die dieses Konzept ermöglicht, auf jedem Meter. Die Vorderachse ist herrlich befreit von lästigen Antriebseinflüssen, der Boxermotor liefert einen niedrigen Schwerpunkt, die Lenkung arbeitet angenehm direkt und liefert mehr als gute Rückmeldung, was heutzutage alles andere als selbstverständlich ist. So kann man den Subaru hemmungslos durch Kurven jagen, den Motor bis zur 7200er-Marke voll ausdrehen, sich durch das top abgestufte Schaltgetriebe arbeiten. Fahren in Reinkultur. So, wie man sich das eben wünscht.

Fazit

Dass dabei praktische Gesichtspunkte ein wenig auf der Strecke bleiben, gehört leider zwangsläufig dazu. Der Kofferraum könnte größer sein, die tiefe Sitzposition und die recht großen Türen erschweren das häufige Ein- und Aussteigen, die Klappfunktion der Sitzlehnen war mehr als störrisch. Dafür ist der Wendekreis klein wie das gesamte Auto, man findet schnell in Parklücken, der Verbrauch hält sich im Rahmen mit durchschnittlich 7,5 – 8,0 Litern pro 100 Kilometer. Selbst bei Dauerbelastung brauchte der Vierzylinder nicht mehr als 9,2 Liter, was wir mehr als in Ordnung finden. Sodass man sich zwangsläufig die Frage stellen muss, warum es im Verkauf nicht so recht läuft. Vielleicht wäre Subaru besser dran gewesen, ein BRZ Cabrio zu bringen. Ein faltbares Stoffverdeck hätte zumindest das Einsteigen erleichtert.

Technische Daten*

Modell: Subaru BRZ 2.0i Sport+
Motor: Vierzylinder-Boxer, 1.998 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW) bei 7.000 U/min
Drehmoment: 205 Nm zwischen 6.400 und 6.600 U/min
Antrieb: Hinterradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe
Verbrauch (ECE): 7,9 l SP100/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 8,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 210 Km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,24 m/1,78 m/1,32 m
Gewicht: 1.266 Kg
Grundpreis: 34.400 Euro
Typklassen (HP/VK/TK): 18/28/23

*Herstellerangaben