Einmal mit einem Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Dodge Challenger quer durch die USA fahren: Für Autofans gibt es wohl kaum einen Roadtrip, der stärker nach Freiheit, Abenteuer und amerikanischer Automobilkultur klingt. Die historische Route 66 führt von Chicago bis an die Pazifikküste nach Santa Monica. Unterwegs wechseln sich Großstädte, endlose Ebenen, verlassene Tankstellen, klassische Motels und spektakuläre Wüstenlandschaften ab.
Im Jahr 2026 feiert die Route 66 ihren 100. Geburtstag. Sie wurde 1926 in das amerikanische Fernstraßensystem aufgenommen und entwickelte sich anschließend zu einer der bekanntesten Straßen der Welt. Auf rund 2.400 Meilen beziehungsweise knapp 3.900 Kilometern verband sie ursprünglich Chicago mit Kalifornien. Dabei durchquerte sie acht Bundesstaaten: Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien.
Mit Mustang, Camaro oder Challenger auf die Mother Road
Ein amerikanisches Muscle-Car ist für diese Reise beinahe so wichtig wie die Route selbst. Die lange Motorhaube, ein kräftiger Benzinmotor und das tiefe Brummen beim Start passen perfekt zu Diners, Neonreklamen und den endlosen Geraden im Westen der USA.
Der Ford Mustang dürfte bei Autovermietungen am einfachsten zu finden sein. Je nach Station stehen Coupés und Cabriolets zur Wahl. Das Cabriolet bietet das intensivere Reiseerlebnis, besitzt wegen des Stoffverdecks allerdings einen kleineren Kofferraum. Wer mit zwei großen Koffern reist, sollte deshalb besser ein Coupé buchen oder das Gepäck möglichst kompakt halten. Hertz weist beim Mustang ausdrücklich darauf hin, dass das Cabriolet weniger Stauraum als das geschlossene Modell bietet.
Alternativ kommen ein Chevrolet Camaro oder ein Dodge Challenger infrage. Der Camaro wirkt besonders sportlich, bietet aber wenig Platz und eine eingeschränkte Rundumsicht. Der Challenger ist größer, komfortabler und geräumiger. Er eignet sich daher besonders gut für zwei Personen mit umfangreicherem Gepäck. Da Dodge die Produktion der klassischen Verbrennerversion beendet hat und auch der Camaro nicht mehr regulär gebaut wird, dürften beide Modelle bei großen Vermietern zunehmend schwieriger zu bekommen sein.
Bei der Reservierung ist Vorsicht geboten. Die Bezeichnung „Ford Mustang oder ähnlich“ garantiert nicht zwangsläufig, dass am Schalter tatsächlich ein Mustang wartet. Wer Wert auf ein konkretes Modell oder einen V8-Motor legt, sollte gezielt nach einer Fahrzeugkollektion mit Modellgarantie suchen und sich die Fahrzeugklasse schriftlich bestätigen lassen. Selbst innerhalb einer Modellreihe können Motorisierung und Ausstattung je nach Vermietstation abweichen.
Für die komplette Route empfiehlt sich eine Einwegmiete von Chicago nach Los Angeles. Das Fahrzeug wird dann nicht am Ausgangsort, sondern in Kalifornien zurückgegeben. Dafür berechnen viele Anbieter eine zusätzliche Gebühr. Auch unbegrenzte Meilen, Versicherungsumfang, Zusatzfahrer, Mindestalter und die Fahrt auf unbefestigten Straßen sollten vor der Buchung geprüft werden.
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Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Die reine Entfernung lässt sich theoretisch in wenigen Tagen bewältigen. Mit dem eigentlichen Erlebnis der Route 66 hätte das jedoch wenig zu tun. Viele Sehenswürdigkeiten liegen abseits der Interstate, und einige historische Abschnitte führen durch kleine Orte, in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist.
Für die gesamte Strecke sollten mindestens 14 Tage eingeplant werden. Entspannter sind 18 bis 21 Tage. Damit bleibt ausreichend Zeit für Museen, alte Tankstellen, Fotostopps und kleinere Umwege. Auch ein Abstecher zum Grand Canyon lässt sich dann integrieren.
Die Route 66 ist heute keine durchgehend einheitlich ausgeschilderte Fernstraße mehr. Zahlreiche Abschnitte wurden durch Interstate Highways ersetzt, überbaut oder aufgegeben. Andere Teile sind als „Historic Route 66“ erhalten. Reisende wechseln deshalb regelmäßig zwischen historischen Landstraßen und modernen Autobahnen. Eine spezielle Route-66-Karte oder Navigations-App ist hilfreicher als eine gewöhnliche Routenplanung, die meist automatisch die schnellste Interstate-Verbindung auswählt.
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Start in Chicago
Der Roadtrip beginnt in Chicago am Lake Michigan. Bevor der Mustang oder Camaro Richtung Westen rollt, lohnt sich mindestens ein vollständiger Tag in der Metropole. Das Zentrum, die Hochhäuser am Chicago River, der Millennium Park und der Blick vom Ufer des Michigansees bilden einen eindrucksvollen Auftakt.
Der historische Ausgangspunkt der Route 66 lag am Grant Park. Von dort führte die Straße durch Illinois in Richtung St. Louis. Innerhalb dieses Bundesstaates umfasst die historische Strecke ungefähr 300 Meilen. Felder, Getreidesilos, Bahnlinien und kleine Ortschaften bestimmen das Bild.
Zu den klassischen Stopps gehören Joliet, Pontiac, Bloomington und Springfield. Entlang der Strecke warten restaurierte Tankstellen, alte Drive-ins und zahlreiche Route-66-Wandbilder. In Pontiac befindet sich zudem ein Route-66-Museum. Gerade zu Beginn der Reise sollte man nicht zu große Tagesetappen planen. Viele der kleinen Sehenswürdigkeiten entdeckt man erst, wenn man bewusst langsam durch die Orte fährt.
Über St. Louis in die Ozarks
Nach Illinois überquert die Route den Mississippi und erreicht St. Louis. Der Gateway Arch symbolisiert das Tor zum amerikanischen Westen und gehört zu den bekanntesten Bauwerken entlang der Reise.
Hinter St. Louis verändert sich die Landschaft. Die Strecke führt durch die bewaldeten Hügel der Ozarks. Hier beginnt das Muscle-Car erstmals, sich wirklich zu Hause anzufühlen. Kurvige Abschnitte wechseln sich mit langen Geraden und kleinen Orten ab. Allerdings gilt auch hier: Die Route 66 ist eine öffentliche Straße und kein Rennkurs. Tempolimits werden in den USA konsequent kontrolliert, insbesondere in kleineren Gemeinden.
Missouri bietet zahlreiche klassische Motels, Diners und ehemalige Tankstellen. Eine Übernachtung in einem historischen Motor Court passt besser zum Charakter der Reise als ein beliebiges Hotel an der Interstate.
Ein kurzer Abschnitt durch Kansas
In Kansas verläuft die Route 66 nur über wenige Meilen. Trotzdem sollte der Abschnitt nicht ausgelassen werden. Orte wie Galena, Riverton und Baxter Springs bewahren zahlreiche Spuren der alten Straße.
Gerade der Kontrast macht diesen Teil interessant. Innerhalb kurzer Zeit passiert man alte Brücken, kleine Geschäfte und Überbleibsel des Bergbaus. Nach einem vergleichsweise kurzen Aufenthalt geht es weiter nach Oklahoma.
Oklahoma: Das Herz der Route 66
Oklahoma besitzt den längsten noch befahrbaren Route-66-Anteil eines einzelnen Bundesstaates. Die Strecke führt unter anderem durch Tulsa und Oklahoma City. Museen, restaurierte Tankstellen und ungewöhnliche Straßenattraktionen liegen hier besonders dicht beieinander.
Zu den bekanntesten Fotomotiven gehört der Blue Whale of Catoosa, ein riesiger blauer Wal an einem kleinen Teich. In Tulsa erinnert das Route 66 Historical Village mit restaurierten Fahrzeugen und Eisenbahntechnik an die industrielle Geschichte der Region. In Oklahoma City verläuft die historische Straße unter anderem über die 23rd Street mit alten Neonreklamen, Musikstätten und Restaurants.
Ein weiterer lohnender Halt ist das National Route 66 & Transportation Museum in Elk City. Seine Ausstellung beschäftigt sich mit der Entwicklung der Straße und der Reise durch alle acht Bundesstaaten.
Cadillac Ranch und endlose Ebenen in Texas
Im Texas Panhandle wird die Landschaft offener. Der Horizont rückt scheinbar immer weiter in die Ferne, während der Wind über die flachen Ebenen zieht. Auf diesem Abschnitt kommen die langen Geraden und die entspannte Kraft eines amerikanischen Coupés besonders gut zur Geltung.
Amarillo ist der wichtigste Zwischenstopp. Westlich der Stadt liegt die Cadillac Ranch: Zehn teilweise im Boden versenkte Cadillac-Modelle bilden eines der berühmtesten Kunstwerke der Route 66. Besucher dürfen die Karosserien traditionell mit Farbe besprühen.
Nicht weit entfernt bieten klassische Steakhäuser jene Portionen an, für die Texas bekannt ist. Wer anschließend noch fahren muss, sollte sich bei den Dimensionen des Abendessens allerdings etwas zurückhalten.
New Mexico: Wüste, Architektur und Neonlicht
Nach Texas erreicht die Route 66 New Mexico. Rote Erde, Tafelberge und weite Wüstenlandschaften prägen nun die Fahrt. Über Tucumcari geht es weiter nach Santa Fe und Albuquerque – abhängig davon, welcher historischen Streckenführung man folgt.
Die Route 66 wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach verlegt. Deshalb existieren in New Mexico unterschiedliche Varianten. Die ältere Führung verläuft über Santa Fe, während die spätere Strecke direkter nach Albuquerque führt.
Tucumcari ist für seine alten Motels und Neonfassaden bekannt. Besonders bei Dunkelheit entsteht dort jene Atmosphäre, die viele Reisende mit der klassischen Route 66 verbinden. Albuquerque bietet einen deutlichen Kontrast: Die größte Stadt New Mexicos verbindet spanisch und indianisch geprägte Architektur mit moderner Großstadt.
Arizona: Der eindrucksvollste Abschnitt
Für viele Reisende ist Arizona der Höhepunkt des Roadtrips. Der Bundesstaat besitzt 385,2 Meilen der besonders gut erhaltenen historischen Route. Zwischen Seligman und Topock liegt zudem einer der längsten zusammenhängend befahrbaren Originalabschnitte.
Zunächst führt die Strecke am Petrified Forest National Park vorbei. Versteinerte Baumstämme, farbige Gesteinsschichten und die Weite der Painted Desert machen den Nationalpark zu einem lohnenden Zwischenziel. Anschließend folgen Winslow und Flagstaff.
Von Flagstaff bietet sich ein Abstecher zum Grand Canyon an. Die zusätzliche Strecke verlängert die Reise zwar, doch wer schon einmal mit einem Muscle-Car durch Arizona fährt, sollte dieses Naturwunder nicht auslassen.
Weiter westlich wartet Seligman. Der kleine Ort spielte eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung der historischen Route 66. Als die Interstate den Ort umging, setzte sich der örtliche Friseur Angel Delgadillo für den Erhalt der alten Straße ein. 1987 wurde der Abschnitt zwischen Seligman und Kingman offiziell als Historic Route 66 anerkannt.
Über Hackberry und Kingman führt die Strecke schließlich nach Oatman. Die ehemalige Goldgräberstadt ist für ihre historischen Gebäude und die frei durch den Ort laufenden Esel bekannt. Die kurvige Bergstrecke dorthin gehört zu den fahrerisch interessantesten Teilen des Roadtrips.
Durch die Mojave-Wüste nach Kalifornien
Hinter dem Colorado River beginnt Kalifornien. Nun führt die Route durch die Mojave-Wüste, vorbei an kleinen Orten, stillgelegten Tankstellen und langen Abschnitten, auf denen kaum ein anderes Fahrzeug zu sehen ist.
Gerade hier muss der Tankinhalt im Blick behalten werden. Ein V8-Mustang, Camaro SS oder Challenger R/T kann bei zügiger Fahrt erheblich mehr Kraftstoff verbrauchen als ein gewöhnlicher Mietwagen. In abgelegenen Regionen sollte spätestens bei halbvollem Tank nach der nächsten sicheren Möglichkeit zum Nachtanken gesucht werden. Wasser gehört ebenfalls immer ins Auto.
Im Sommer können die Temperaturen in der Mojave-Wüste extreme Werte erreichen. Eine Panne auf einem einsamen historischen Streckenabschnitt ist dann kein romantisches Abenteuer. Vor der Fahrt sollten Reifendruck, Tankfüllung und Mobilfunkempfang kontrolliert werden. Unbefestigte oder erkennbar beschädigte Abschnitte sind mit einem tief liegenden Mietwagen zu vermeiden.
Über Barstow und San Bernardino nähert sich die Route schließlich dem Großraum Los Angeles. Der Verkehr nimmt zu, die Wüste weicht der dichten Bebauung Südkaliforniens.
Das Ziel am Santa Monica Pier
Nach rund 3.900 Kilometern endet die Reise am Pazifik. Das bekannte „End of the Trail“-Schild am Santa Monica Pier ist zwar nicht der ursprüngliche historische Endpunkt der Straße, hat sich aber als symbolisches Ziel des Roadtrips etabliert.
Der Moment, in dem das Muscle-Car vor der Pazifikküste ausrollt, dürfte dennoch unvergesslich bleiben. Hinter den Reisenden liegen acht Bundesstaaten, mehrere Klimazonen und eine Strecke, die wie kaum eine andere mit der amerikanischen Vorstellung von Freiheit verbunden ist.
Gerade im Jubiläumsjahr 2026 besitzt die Tour zusätzlichen Reiz: Die Route 66 wird 100 Jahre alt, und zahlreiche Orte entlang der Strecke veranstalten Ausstellungen, Treffen und Feiern.
Fazit: Auf der Route 66 ist der Weg das Ziel
Ein Roadtrip auf der Route 66 ist keine möglichst schnelle Fahrt von Chicago nach Los Angeles. Wer ausschließlich die Interstate nutzt, verpasst den eigentlichen Charakter der Mother Road. Das Erlebnis entsteht auf den alten Abschnitten, in kleinen Diners, vor verlassenen Tankstellen und bei Begegnungen mit Menschen, die das Erbe der Straße bewahren.
Ein gemieteter Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Dodge Challenger macht die Reise besonders authentisch. Dabei muss es nicht zwingend das stärkste V8-Modell sein. Schon ein Mustang EcoBoost oder ein vergleichbares Coupé vermittelt ein deutlich amerikanischeres Fahrgefühl als ein gewöhnlicher Mittelklasse-Mietwagen und verursacht spürbar geringere Kraftstoffkosten.
Wer mindestens zwei Wochen Zeit mitbringt, Tagesetappen nicht zu eng plant und die historischen Strecken bewusst sucht, erlebt einen der faszinierendsten Roadtrips der Welt. Spätestens wenn am Ende der Fahrt die Sonne hinter dem Santa Monica Pier im Pazifik versinkt, wird deutlich: Auf der Route 66 zählt nicht nur das Ziel. Entscheidend sind das Auto, die Straße und all die Geschichten dazwischen.





