Kaum ein japanischer Sportwagen hat einen vergleichbaren Kultstatus erreicht wie die vierte Generation des Toyota Supra. Das intern als A80 oder JZA80 bezeichnete Coupé wurde durch seinen leistungsfähigen 2JZ-Motor, seine ungewöhnliche Optik und zahlreiche Auftritte in Filmen und Videospielen weltberühmt. Dabei war die Supra MKIV zu Beginn keineswegs ein Selbstläufer: Insbesondere in Europa war sie teuer und verkaufte sich nur in überschaubaren Stückzahlen.
Vorstellung auf der Chicago Auto Show 1993
Toyota präsentierte die vierte Supra-Generation Anfang 1993 auf der Chicago Auto Show. Die Entwicklung hatte rund vier Jahre gedauert und stand unter der Leitung von Chefingenieur Isao Tsuzuki. Er hatte zuvor bereits an der ersten Toyota Celica sowie an beiden Generationen des Toyota MR2 mitgearbeitet.
Am 24. Mai 1993 startete der Verkauf in Japan. Dort umfasste das Programm unter anderem die Varianten SZ, RZ und GZ. Die Markteinführung in den USA folgte im Juni 1993. In Deutschland feierte der neue Supra im September 1993 seine Premiere und kostete zum Marktstart 106.000 D-Mark.
Damit bewegte sich der Toyota preislich bereits in einem Bereich, in dem europäische Kunden auch Sportwagen etablierter Premiummarken fanden. Dazu kam ein auffälliges Design, das bei seinem Erscheinen durchaus kontrovers aufgenommen wurde.
Kürzer, breiter und leichter als der Vorgänger
Im Vergleich zum kantigen Supra A70 erhielt die vierte Generation eine wesentlich rundere und aerodynamischere Karosserie. Die lange, flache Motorhaube, das kurze Heck, die großen Scheinwerfereinheiten und die vier runden Rückleuchten verliehen dem Coupé ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Besonders prägend war der hoch aufragende Heckflügel der Turbo-Modelle.
Trotz größerer Räder, umfangreicherer Sicherheitstechnik und höherer Fahrleistungen gelang es Toyota, das Gewicht gegenüber dem Vorgänger um mehr als 100 Kilogramm zu reduzieren. Dafür verwendeten die Ingenieure unter anderem eine Motorhaube aus Aluminium, einen Kunststoff-Kraftstofftank, besonders leichte Teppichfasern und einen aus Hohlkörper-Kunststoff gefertigten Heckflügel. Selbst die zuvor verwendete doppelflutige Abgasanlage wurde durch eine leichtere Einzelanlage ersetzt.
Die Karosserie war 4,52 Meter lang, 1,81 Meter breit und nur rund 1,28 Meter hoch. Mit ihrer breiten Spur und dem langen Vorderwagen wirkte die Supra deutlich gedrungener und sportlicher als der Vorgänger.
Der 2JZ als Herzstück des Supra
Für den japanischen Markt bot Toyota zwei grundsätzlich unterschiedliche Dreiliter-Reihensechszylinder an. Das Basismodell verwendete den frei saugenden 2JZ-GE, der in Japan offiziell 225 PS leistete. Darüber rangierte der 2JZ-GTE mit zwei Turboladern und offiziell 280 PS. Diese Leistungsangabe entsprach der damaligen freiwilligen Selbstbeschränkung der japanischen Automobilhersteller.
In Europa wurde der Supra A80 ausschließlich mit dem stärkeren 2JZ-GTE angeboten. Hier leistete der 2.997 Kubikzentimeter große Biturbo-Sechszylinder 243 kW beziehungsweise 330 PS und entwickelte rund 440 Nm Drehmoment. Damit gehörte der Supra zu den leistungsstärksten japanischen Serienfahrzeugen seiner Zeit.
Die beiden Turbolader arbeiteten sequenziell. Bei niedrigen Drehzahlen übernahm zunächst ein Lader den Aufbau des Ladedrucks. Mit steigender Drehzahl wurde der zweite Turbolader zugeschaltet. Dadurch verband der Motor ein frühes Ansprechverhalten mit hoher Leistung im oberen Drehzahlbereich.
Zur Wahl standen ein gemeinsam mit Getrag entwickeltes Sechsgang-Schaltgetriebe sowie eine elektronisch gesteuerte Viergang-Automatik mit manueller Schaltmöglichkeit. Das Sechsganggetriebe war das erste seiner Art in einem Toyota.
Weshalb der Motor so viel Tuning verträgt
Der 2JZ-GTE wurde später vor allem wegen seiner hohen Belastbarkeit berühmt. Sein Motorblock bestand aus Grauguss, die Kurbelwelle war äußerst robust ausgelegt und auch der geschlossene Aufbau des Kurbelgehäuses bot große Reserven. Mit vergrößerten Turboladern, angepasster Kraftstoffversorgung und einer neuen Motorsteuerung lassen sich deshalb Leistungen erreichen, die weit über dem Serienniveau liegen.
Motoren mit 600 oder 700 PS sind in der Tuning-Szene keine Seltenheit. Extremumbauten erreichen vierstellige Leistungswerte. Diese Reserven waren zwar nicht ausdrücklich für solche Umbauten vorgesehen, sie machten den 2JZ-GTE aber zu einem der bekanntesten Tuning-Motoren überhaupt.
Aufwendiges Fahrwerk und ungewöhnliche Aerodynamik
Die Supra MK IV besaß rundum Einzelradaufhängungen mit Doppelquerlenkern. Bei den leistungsstarken Ausführungen kamen große Bremsanlagen sowie unterschiedlich breite Räder an Vorder- und Hinterachse zum Einsatz. Toyota entwickelte zudem ein Vierkanal-ABS, das auch die Querbeschleunigung berücksichtigte und die Stabilität beim Bremsen in Kurven verbessern sollte.
Eine weitere Besonderheit war der elektrisch ausfahrbare Frontspoiler. In der Automatikstellung fuhr er bei Geschwindigkeiten über 90 km/h aus und unterhalb von 70 km/h wieder ein. Gemeinsam mit dem großen Heckflügel sollte er den Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten reduzieren. Der Heckflügel war damit nicht nur ein auffälliges Designelement, sondern erfüllte eine konkrete aerodynamische Funktion.
Für einige Märkte gab es außerdem ein herausnehmbares Dachteil aus Aluminium. In Deutschland gehörten eine umfangreiche Ausstattung, Ledersitze und das sogenannte Aerotop beziehungsweise Targadach je nach Ausführung zum charakteristischen Erscheinungsbild vieler offiziell angebotener Fahrzeuge.
Nur kurze Zeit in Europa erhältlich
Während Toyota den Supra in Japan bis 2002 weiterentwickelte, endete seine europäische Karriere vergleichsweise früh. Der A80 wurde hier nur von 1993 bis 1996 offiziell angeboten. In Deutschland setzte Toyota nach Angaben der deutschen Supra-Interessengemeinschaft lediglich 537 Fahrzeuge ab. Über Toyota Köln wurden insgesamt 782 Exemplare für Deutschland und weitere kontinentaleuropäische Märkte vertrieben.
Der hohe Preis, steigende Versicherungsbeiträge, strengere Abgasvorschriften und das nachlassende Interesse an großen japanischen Sportcoupés erschwerten den Verkauf. Ende 1996 verschwand die Supra in Großbritannien aus dem Programm. Auf anderen Exportmärkten wurde sie noch einige Jahre angeboten, während die Fertigung für Japan bis Juli 2002 weiterlief. Toyota gibt für den A80 insgesamt den Verkaufszeitraum von 1993 bis 2002 an.
Motorsport, Videospiele und „The Fast and the Furious“
Auch im Motorsport kam die vierte Supra zum Einsatz. Sie startete unter anderem beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, am Pikes Peak und in verschiedenen amerikanischen Rennserien. Besonders erfolgreich war sie in der japanischen GT-Meisterschaft JGTC. Dort traten stark modifizierte Rennversionen von 1995 bis über das Ende der Straßenwagenproduktion hinaus an.
Zum weltweiten Kultobjekt wurde der Supra jedoch vor allem durch die Tuning-Szene, Rennspiele wie „Gran Turismo“ und den Film „The Fast and the Furious“ aus dem Jahr 2001. Der orangefarbene Supra aus dem ersten Film prägte das Bild des japanischen Sportwagens bei einer ganzen Generation.
Ironischerweise begann der große Hype erst, als Toyota das Modell in vielen Ländern längst nicht mehr anbot. Aus einem schwer verkäuflichen, teuren Sportcoupé entwickelte sich ein begehrtes Sammlerfahrzeug. Original erhaltene europäische Fahrzeuge mit Schaltgetriebe gehören heute zu den seltensten und wertvollsten Ausführungen.
Fazit
Die Toyota Supra MK IV verband Anfang der 1990er-Jahre klassisches Sportwagenlayout mit bemerkenswert moderner Technik. Ein Biturbo-Reihensechszylinder, Hinterradantrieb, das stabile Sechsganggetriebe, eine aufwendige Radaufhängung und aktive Aerodynamikelemente machten den A80 zu einem ernsthaften Konkurrenten für deutlich teurere Sportwagen.
Ihr heutiger Ruf basiert jedoch nicht allein auf den serienmäßigen 330 PS. Vor allem die außergewöhnlichen Leistungsreserven des 2JZ-GTE, die geringe Stückzahl in Europa und ihre Bedeutung für die internationale Tuning- und Popkultur machten die vierte Supra zu einer Ikone. Was 1993 als technisch ambitionierter Gran Turismo begann, ist heute einer der bekanntesten japanischen Sportwagen aller Zeiten.
Das ausgewählte Bild kann ich momentan nicht bearbeiten, weil die Originaldatei nicht mehr verfügbar ist. Lade bitte genau dieses Bild erneut hoch; dann nutze ich es als Titelbild-Vorlage und nicht irgendein anderes Supra-Foto.







