Wir müssen gestehen: wir haben ihn verpennt. Der Test des sanften weißen Riesen ist schon so lange her, dass es tatsächlich schon ein neues Modell gibt. Das ist uns noch nie passiert – ehrlich!

Gut für uns: Die wirklich wichtigen technischen Details sind dem Optima Hybrid auch nach dem Facelift erhalten geblieben. Die Modellpflege hat sich hauptsächlich um das Äußere gekümmert und ein paar neue Assistenzen integriert. Ein neuer, nun etwas sportlicher gestalteter Frontstoßfänger mit integrierten LED-Nebelscheinwerfern kam dazu, ebenso ein passender Kühlergrill. Innen gibt es mehr Chrom, mehr Leder (das Lenkrad ist nun serienmäßig beheizt – sehr angenehm!) und eine edle Ambientebeleuchtung.

Zu adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage mit Stop-and-go-Funktion, intelligentem Parksystem, 360°-Kamera, Frontkollisionswarner inklusive Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtassistent kam nun für das aktuelle Modelljahr ein Müdigkeitswarner hinzu. Ebenso hielt der Coasting-Assistent Einzug, der dem Fahrer signalisiert wann er den Fuß vom Gas nehmen und das Fahrzeug ausrollen lassen kann. Ebenfalls neu: der Effizienz-Assistent. Er analysiert die Topografie der Fahrstrecke und sorgt an Steigungen und Gefällen für eine optimale Nutzung der beiden Motoren, sowie der Rekuperationsmöglichkeiten.

Wo wir nun also auch schon beim Antrieb wären, der immer noch dem unseres Testwagens entspricht. Der Kia Optima SW 2.0 GDI Plugin-Hybrid ist ein Parallelhybrid – das heißt, das Verbrenner und Elektromaschine jeweils einzeln, aber auch gemeinsam ihre Leistung auf die Vorderräder übertragen können.

Bis zu 62 Km sollen elektrisch möglich sein

Gesamt leistet der Antriebsstrang 205 PS, also 151 kW (man sollte bei den Elektrischen ja wirklich mehr in Watt rechnen!), davon kommen 50 kW (68 PS) vom Elektromotor. Der Zweiliter-Reihenvierzylinder-Sauger steuert 156 PS (115 kW) und ein eher bescheidenes Drehmoment von 189 Nm bei 5.000 Umdrehungen bei. Neu ist, dass die aktuelle Version wegen eines Ottopartikelfilters bereits über EU6d-Temp verfügt.

Dank des großen Kofferraums verfügt der Sportswagon mit seinem 11,3-kWh-Akku über eine größere Batterie als die Limousine. Bemerkbar macht sich dieser Umstand nur durch das Fehlen des Staufachs unter dem um ein paar Zentimeter erhöhten Kofferraumboden. Die rein elektrische Reichweite liegt nach WLTP bei 62 Kilometern und kann damit einen Spitzenwert vorweisen.

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In der Praxis ist es naturgemäß weniger. 30 Kilometer schafft der Optima PHEV aber in jedem Fall, meist waren es bei uns im gemischten Stadt- und leichten Autobahnringbetrieb um 40 Kilometer. Auf einer extremen Sparfahrt haben wir 52 km Reichweite aus den 11,3 kWh gepresst, das war angesichts der in diesem Fall mehr als übersichtlichen Performance mehr Geduldsprobe als echter Fahrspaß.

Dabei ist der große Kia durchaus in der Lage, Freude zu machen. In der Stadt etwa, wenn er sich selbsttätig lautlos aus der Parklücke lenkt, locker im Verkehr mitschwimmt und man dabei bequem auf den belüfteten Ledersitzen lümmelt.

Relativ schwer, und sehr komfortabel

Überhaupt ist der Optima ein sehr komfortables Auto. Das – durch den Hybridantrieb – recht hohe Leergewicht von über 1,8 Tonnen lässt sein Fahrwerk schön satt und sanft abrollen. Wenig Schläge dringen ungefiltert in den Innenraum, was zusammen mit dem Geräuschkomfort für ein wirklich angenehmes Fahren sorgt. Dazu kommt die gute Haptik: das Lenkrad fasst sich sehr gut an, die Bedienung ist nicht nur grafisch nett, auch in der Funktionalität lässt sich wenig meckern. Das harmon/kardon-Soundsystem sorgt ebenso für ein gutes Gefühl wie die hochwertige Anmutung: edel gelocht und vernähtes Leder an den Sitzen, ein sympatischer Versuch der „Volleder-Atmosphäre“ durch das mit nähte versehene, edel aufgeschäumte Armaturenbrett – Kia macht mit dem großen Mittelklasse-Kombi sehr vieles richtig.

Die sportlichere Gangart mag der Hybrid-Kombi nicht so gerne

Einzig wenn es zügiger vorangehen soll, hinkt der Optima Hybrid plötzlich ein wenig. Zwar sortiert das Sechsang-Automatikgetriebe die Gänge dank der 375 kombinierten Newtonmeter recht souverän, aber bei vollem Beschleunigungswunsch kann der Vierzylinder nicht verhehlen, dass es ihm ein wenig an Leistung mangelt. Schnell wird es dann laut in der Kabine, ohne das der Vortrieb wirklich in gleichem Maße zunimmt. In dieser Situation ist der Optima dann auch nicht mehr gerade sparsam. Es können bei schnellen Autobahnetappen mit Geschwindigkeiten um 180 km/h dann auch ganz schnell einmal zweistellige Werte im Bordcomputer auftauchen.

Es ist das ruhige Gleiten, dass dem Kia PHEV am Besten passt. Mitschwimmen, mal mit ordentlich e-Boost überholen und dann wieder auf radargestützte 130-140 km/h zurückfallen lassen. So schafft man Verbrauchswerte um sechs Liter, je nach Topografie und eigener Zurückhaltung sogar locker mit einer fünf vor dem Komma.

Ob man dafür gewillt ist, relativ tief in die Tasche zu greifen, muss jeder selbst entscheiden. Für das gleiche Geld wie den Hybriden gibt es auch einen top ausgestatteten Optima GT mit großem Diesel oder Turbobenziner, denn der PHEV beginnt bei 40.490 Euro.

Wir würden uns wünschen, dass Kia den Hybrid zum echten Topmodell machen würde. Die Kombination mit einem leistungsstärkeren Motor, gerne auch einem modernen Turbobenziner, würde ihm mehr Souveränität und mehr „Appeal“ verleihen. Denn das „haben wollen“-Gefühl stellt sich nicht richtig ein – was etwas ganz anderes wäre, wenn wir statt 205 PS über 280 oder 300-Gesamt-PS sprechen würden…

P.S. Wer einen Arbeitsweg von unter 50 Km hat, der freut sich über einen „reinen“ Elektro-Kombi, der zuhause und bei der Arbeit aufgeladen eigentlich nie auf den Verbrenner zurückgreifen muss. Angst, liegen zu bleiben, hat man dennoch nie. Denn wenn es mal knapp wird, springt Otto ein und hilft aus der Patsche.

Datenblatt*

Modell: Kia Optima Sportswagon 2,0 GDI Plug-In-Hybrid Automatik Attract
Motor: Vierzylinder-Benzinreihenmotor, 1999 ccm
Leistung: 115 kW / 156 PS bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment: 189 Nm bei 5.000 U/min
Elektromotor: Permanent-Synchronmotor
Leistung: 50 kW / 68 PS bei 2.330 – 3.300 U/min
Max. Drehmoment: 205 Nm bei 0 – 2330 U/min
Hybridsystem: Parallelhybrid, Plugin (11.3kWh Batterikapazität)
Leistung: 151 kW / 205 PS bei 6000 U/min
Max. Drehmoment: 375 Nm bei 2330 U/min
Antrieb: Frontantrieb, 6-Gang-Automatikgetriebe
Verbrauch (ECE): 1,4 Liter/100km
Stromverbrauch (ECE): 12,3 kWh/100km
Beschleunigung (0 – 100 km/h): 9,7 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,86 m/1,86 m/1,47 m
Gewicht: 1880 kg
Basispreis: 40.490 Euro

*Herstellerangaben

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