Bristol Cars kehrt zurück: Vier neue Fighter mit V10 sollen noch entstehen

Die britische Traditionsmarke Bristol Cars meldet sich zurück. Zum Auftakt des Neustarts greift das Unternehmen allerdings nicht auf ein komplett neues Modell zurück, sondern vollendet ein Projekt aus seiner Vergangenheit. Insgesamt existieren noch fünf bislang nicht fertiggestellte Chassis des Bristol Fighter. Das erste Fahrzeug wurde nun aufgebaut und beim Salon Privé im britischen Blenheim Palace präsentiert. Vier weitere Exemplare sollen folgen und zum Verkauf angeboten werden.

Der Fighter war das letzte Serienmodell von Bristol vor dem Ende der damaligen Fahrzeugproduktion im Jahr 2011. Der ungewöhnliche zweisitzige Supersportwagen entstand Anfang der 2000er-Jahre und unterschied sich deutlich von den etablierten Modellen von Ferrari, Lamborghini oder Porsche.

Charakteristisch sind die lange Motorhaube, die weit nach hinten versetzte Fahrgastzelle und insbesondere die Flügeltüren. Bei der Entwicklung spielte auch die Luftfahrtvergangenheit des Unternehmens eine Rolle. Bristol Cars ging ursprünglich aus der Bristol Aeroplane Company hervor.

8,0-Liter-V10 mit bis zu 600 PS

Besonders bemerkenswert ist der Antrieb. Unter der langen Fronthaube sitzt ein 8,0 Liter großer V10-Motor. In der Serienausführung leistet das Aggregat 525 PS, für leistungsstärkere Varianten wurden 600 PS angegeben.

Damit sollte der Fighter eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 338 km/h erreichen. Trotz dieser Leistungsdaten verstand Bristol das Auto nicht als kompromisslosen Rennstrecken-Sportwagen. Der Fighter sollte vielmehr die Fahrleistungen eines Supersportwagens mit den Langstreckenqualitäten und dem Komfort eines klassischen Gran Turismo kombinieren.

Genau dieses Konzept verfolgt auch das nun fertiggestellte Fahrzeug. Es basiert auf einem originalen, bislang unbenutzten Fighter-Chassis und wurde anhand der ursprünglichen Konstruktionszeichnungen aufgebaut. Verantwortlich für das Projekt ist Bristol-Cars-Inhaber und Direktor Paul King.

Das erste Fahrzeug präsentiert sich in einer schwarz-beigen Farbkombination. Insgesamt stehen fünf originale Chassis beziehungsweise Produktionsplätze zur Verfügung. Nach Fertigstellung des ersten Autos bleiben damit vier weitere Fighter übrig.

Mehr Exoten:

Vier weitere Bristol Fighter werden verkauft

Diese vier Fahrzeuge sollen in den kommenden Monaten angeboten werden. Jedes Exemplar wird individuell nach den Vorstellungen seines zukünftigen Besitzers aufgebaut. Einen festen Preis nennt Bristol nicht, Interessenten erhalten diesen lediglich auf Anfrage.

Die Autos können sowohl als Rechts- als auch als Linkslenker entstehen. Damit sollen sie nicht nur für den britischen Markt interessant sein. Bristol nennt ausdrücklich auch einen möglichen Export in die USA.

Bei der Fertigstellung arbeitet das Unternehmen mit einem bislang nicht genannten britischen Fertigungspartner zusammen. Dieser soll insbesondere die notwendige Entwicklungs-, Produktions- und Kleinserienkompetenz bereitstellen.

Mit einer Wiederaufnahme der ursprünglichen Fighter-Serienproduktion ist das Projekt allerdings nicht gleichzusetzen. Vielmehr werden die noch vorhandenen Originalchassis genutzt, um das damals nicht vollständig abgeschlossene Programm zu Ende zu bringen. Entsprechend dürften die vier noch verfügbaren Fahrzeuge ausgesprochen selten bleiben.

Bristol-Produktion endete 2011

Die Geschichte von Bristol Cars verlief in den vergangenen Jahrzehnten turbulent. Die ursprüngliche Produktion endete 2011 mit der Insolvenz des Unternehmens. Kamkorp Autokraft übernahm anschließend das geistige Eigentum und den Firmenwert.

Ein erster Versuch für einen Neustart folgte einige Jahre später. 2016 wurde der offene Bristol Bullet vorgestellt. Das Modell schaffte es allerdings nicht in die geplante Serienproduktion. Das Projekt wurde noch bis 2022 weitergeführt.

Der jetzige Neustart setzt deshalb bewusst beim Fighter an. Mit der Fertigstellung der verbliebenen Fahrzeuge will das Unternehmen zunächst die Verbindung zur eigenen Vergangenheit wiederherstellen, bevor weitere Projekte folgen.

Comeback zum 80. Jubiläum

Der Zeitpunkt ist passend gewählt. 2026 feiert Bristol Cars sein 80-jähriges Bestehen als Automobilhersteller. Das Unternehmen entstand 1945 als Ausgründung der Bristol Aeroplane Company. Bereits 1946 wurde der Bristol 400 fertiggestellt.

In den folgenden Jahrzehnten machte sich Bristol vor allem mit ungewöhnlichen und in sehr kleinen Stückzahlen gebauten Luxus- und Sportwagen einen Namen. Hohe Produktionszahlen gehörten nie zum Geschäftsmodell. Stattdessen setzte das Unternehmen auf Individualität, technische Eigenständigkeit und eine entsprechend exklusive Kundschaft.

Die Rückkehr wurde nun beim Salon Privé im Blenheim Palace offiziell eingeläutet. Dort präsentierte Bristol nicht nur den neu aufgebauten Fighter. Im Rahmen des Concours d’Elegance wurde anlässlich des Jubiläums außerdem eine eigene Klasse für Fahrzeuge der Marke eingerichtet.

Weitere Bristol-Modelle sollen folgen

Paul King will es nicht bei der Fertigstellung der vier verbliebenen Fighter belassen. Der Abschluss des alten Programms soll vielmehr den Ausgangspunkt für eine längerfristige Rückkehr von Bristol Cars bilden. Konkrete Angaben zu zukünftigen Modellen macht das Unternehmen bislang allerdings nicht.

Unterstützung erhält King dabei von Richard Hackett, der als Chairman zu Bristol Cars zurückkehrt. Hackett ist bereits seit langer Zeit mit der Marke verbunden und arbeitete zu Zeiten des ursprünglichen Fighter-Projekts eng mit dem damaligen Bristol-Chef Tony Crook zusammen.

Damit beginnt das Comeback von Bristol Cars zunächst ungewöhnlich bodenständig: Statt mit Studien und Ankündigungen eines völlig neuen Modells startet die Marke mit fünf Autos, deren Geschichte eigentlich schon vor rund 15 Jahren hätte abgeschlossen werden sollen. Einer davon ist nun fertig. Vier weitere Fighter mit 8,0-Liter-V10 warten noch auf ihre zukünftigen Besitzer.

Galerie Bristol Fighter