Wisst ihr was? Selbst wenn ich Geld bis zum Abwinken hätte, würden mich nur gaaaaanz wenige der aktuellen Sport- und Supersportwagen reizen. Vielleicht liegt das an meinem Alter. Immerhin bin ich noch mit Ferrari F40, Lamborghini Diablo und Co. aufgewachsen und deren Formensprache hat sich ganz tief in mein Stammhirn eingebrannt. Zugegeben, die Modelle von Koenigsegg oder auch einen Pagani Huayra R würde ich nicht aus der Garage verbannen. Aber sonst …. 🙂
Nun ja, um so glücklicher macht es mich, wenn ich Restomods wie den hier gezeigten Singer DLS Turbo „Sorcerer“ sehe. Klar, das ist kein „alter Sportwagen“ mehr, aber darum geht’s mir auch gar nicht. Ich mag nur die Formen und die Ausstrahlung, die solche Modelle haben. Sicher, über Geschmack lässt sich immer trefflich streiten, aber ich finde dieses Flügelmonster auf Basis des Porsche 911 964 einfach extrem geil.
Im Mittelpunkt des „DLS Turbo“-Projekts von Singer steht eindeutig das Triebwerk – und dieses ist alles andere als gewöhnlich. Mit dem DLS-Turbo-Programm schlägt Singer ein neues Kapitel auf, indem erstmals das drehfreudige Konzept der bekannten DLS-Saugmotoren mit moderner Turboaufladung kombiniert wird. Entstanden ist ein 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer mit vier Ventilen je Zylinder, zwei Turboladern mit variabler Turbinengeometrie und einer Drehzahlgrenze jenseits der 9.000 Umdrehungen pro Minute.
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Die Leistungsdaten bewegen sich auf dem Niveau aktueller High-Performance-Sportwagen: mehr als 700 PS und rund 750 Newtonmeter Drehmoment sprechen eine deutliche Sprache. Technisch besonders bemerkenswert ist das ungewöhnliche Kühlkonzept. Während die Zylinderköpfe wassergekühlt sind, bleiben die Zylinder luftgekühlt. Erstmals übernimmt ein elektrisch angetriebener, horizontal positionierter Lüfter die Aufgabe der Luftführung. Die Kraftübertragung erfolgt klassisch über ein manuelles Sechsganggetriebe an die Hinterräder – eine bewusste Entscheidung gegen Doppelkupplungsgetriebe oder Automatiklösungen. Für den passenden Klang sorgt eine Abgasanlage aus Titan und Inconel mit seitlich austretenden Endrohren.
Optisch präsentiert sich der Sorcerer (Den Namen hat der Besitzer seinem Singer gegeben. Zu Deutsch: Zauberer) deutlich radikaler als viele andere Interpretationen aus dem Hause Singer – ein Auftritt, der unter Liebhabern durchaus polarisieren dürfte.
Die gesamte Karosserie besteht aus Carbonfaser und zitiert formal den ikonischen Porsche 934.5 aus den späten Siebzigern. Ein weit nach vorn gezogener Frontsplitter, massiv ausgestellte Radhäuser und ein groß dimensionierter, hoch angesetzter Heckflügel verdeutlichen den kompromisslosen Rennstreckenanspruch.
Die Lackierung in Fantasia Blue zeichnet sich durch einen Verlauf aus, der zum Heck hin sichtbar abdunkelt. Freigelegte Carbonbereiche und schwarz eloxierte Akzente setzen Kontraste und verhindern trotz der expressiven Linienführung einen überladenen Gesamteindruck. Geschmiedete Magnesiumräder mit Zentralverschluss – 19 Zoll an der Vorderachse, 20 Zoll hinten – unterstreichen die kraftvolle Präsenz.
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Im Innenraum bleibt Singer seiner Designphilosophie treu und verbindet traditionelle Formensprache mit erlesenen Materialien und moderner Technik. Die Sitze tragen Bezüge aus Pebble Grey Leder und Pearl Grey Alcantara, ergänzt durch präzise gesetzte Kontrastnähte in Champagnerfarbe. Statt Kunststoff prägen Carbon und Metall das Ambiente.
Ein zentrales Highlight sind die neu gestalteten Instrumente. Die klassischen fünf Rundanzeigen des 911 wurden gestalterisch neu interpretiert, scheinbar schwebend integriert und von fein gearbeiteten Metallringen eingefasst. Funktionen wie Navigation oder Smartphone-Anbindung sind vorhanden, treten optisch jedoch bewusst in den Hintergrund, um das analoge Fahrerlebnis zu bewahren.
Bei aller historischen Anmutung verzichtet Singer nicht auf zeitgemäße Sicherheits- und Assistenzsysteme. Gemeinsam mit Bosch wurden ABS, Traktionskontrolle und ein elektronisches Stabilitätsprogramm entwickelt und integriert. Über verschiedene Fahrmodi lässt sich der Eingriff dieser Systeme individuell anpassen. Fünf Programme stehen bereit: Road, Sport, Track sowie ein spezieller Modus für ungünstige Wetterbedingungen gehören dazu. Abgerundet wird das Konzept durch ein modernes Fahrwerk mit Doppelquerlenkern an der Vorderachse, leistungsstarke Carbon-Keramik-Bremsen und ein optional erhältliches Nose-Lift-System, das im Alltag zusätzliche Bodenfreiheit schafft.
So, und nun mal Butter bei die Fische: Was kostet der Spaß? – Schon verloren. Denn wer danach fragen muss, der hat garantiert nicht das nötige Kleingeld für dieses Kleinod. Was hilft: Den eigenen Porsche 964 ausmotten, zu Singer verschiffen, sich einen coolen Namen und alles weitere selbst ausdenken und einige Monate voller Vorfreude aufs Ergebnis warten.












