Zwei Räder, null Emission: der Weg zum Motorradführerschein im E-Mobilitäts-Zeitalter

Zweiräder bleiben von der Elektrifizierung des Straßenverkehrs nicht verschont. Mit der Zero SR/F, der Energica Ego oder der Harley-Davidson LiveWire sind Elektromotorräder längst nichts mehr für Nischennutzer. Wer einsteigen möchte, steht vor Fragen, die auch E-Auto-Fahrer bestens kennen: Wie navigiere ich durch Technik, Vorschriften und Ausbildungssystem, ohne dabei den Überblick zu verlieren?

Weg und Klassen zum Führerschein in der Schweiz und Deutschland

Bevor auf einem Elektromotorrad öffentliche Straßen befahren werden dürfen, ist in beiden Ländern geregelt, daß eine Fahrausbildung absolviert werden muß. Das Schweizer Straßenverkehrsgesetz (SVG) unterscheidet Motorräder in drei Klassen: A1 für Leichtkrafträder bis 125 cm³ und maximal 11 kW (ab 16 Jahren), A2 für Motorräder bis 35 kW (ab 18 Jahren) und schließlich die unbeschränkte Klasse A ab 24 Jahren, oder ab 20 Jahren nach mindestens zwei Jahren Erfahrung im Besitz eines A2-Scheins. Ein Motorrad Grundkurs in Zürich ist in der Schweiz für alle Kategorien obligatorisch, bevor der Lernfahrausweis beantragt werden kann. Der Kurs vermittelt auf dem Übungsplatz Grundfertigkeiten: Bremsen in Kontrolle, Kurvenfahren, Ausweichen. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieses Kurses darf mit Lernfahrausweis im öffentlichen Verkehr gefahren werden.

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In Deutschland gilt seit 2013 das europaweit vereinheitlichte System mit identischen Klassen A1, A2, A. Auch hier ist ein Grundkurs auf dem Verkehrsübungsplatz fester Bestandteil der Pflichtausbildung. Für den Direkteinstieg in Klasse A beträgt das Mindestalter 24 Jahre.

Elektromotorräder unterliegen denselben Führerscheinklassen wie die Verbrenner. Hierbei ist die Nennleistung des Motors maßgebend, nicht der Antriebstyp. Die Zero SR/F mit 82 kW Spitzenleistung fällt damit eindeutig in die Klasse A.

Leistung, Reichweite und Ladeinfrastruktur im Praxisvergleich

Weniger als fünf Jahre ist es her, da waren elektrische Motorräder noch Exoten. Der Markt hat sich seitdem sehr entwickelt. Gemäß Herstellerangabe erreicht die Zero SR/F in der Stadt gut 260 km Reichweite, auf Überlandstraßen immerhin noch 130 km. Die Energica Ego+ bringt es auf eine WMTC-Reichweite von 230 km, und lädt an CCS-Schnellladestationen mit bis zu 22 kW. Das ist ein Unterschied zu vielen E-Autos: Je nach Modell können die zwischen 50 und 350 kW aufnehmen.

Geladen wird bei den meisten aktuellen Modellen über den Typ-2-Standard, der in Europa überall anzutreffen ist. Für Pendler in städtischen Räumen wie Zürich, Basel oder München jedenfalls ist die Ladeinfrastruktur heute kein nennenswertes Problem mehr.

Ein anderer technischer Aspekt ist interessant: Elektromotorräder haben natürlich kein klassisches Schaltgetriebe. Das verändert nicht nur das Fahrgefühl merklich, sondern auch den Ausbildungsablauf. Kupplungsloses Fahren verringert die motorischen Anforderungen beim Anfahren und in langsamen Manövern, was Anfängern die ersten Fahrstunden auf dem Übungsplatz sehr erleichtern kann.

Kosten, Kaufentscheidung und staatliche Förderung

Ab rund 14.000 CHF kostet ein Einstiegsmodell wie der BMW CE 04 in der Schweiz. Die Zero SR/F beginnt bei etwa 21.000 CHF. Gebrauchte Modelle der ersten Generation, Zero S oder Zero DS Baujahr 2019 bis 2021, sind auch schon zum Preis von teils unter 10.000 CHF zu haben.
In Deutschland förderte der Bund elektrische Krafträder über den Umweltbonus des BAFA, der zum Jahresende 2023 jedoch ausläuft. In der Schweiz gibt es keine nationale Kaufprämie, einzelne Kantone gewähren jedoch Steuervergünstigungen, die je nach Wohnort die Gesamtkosten schon merklich drücken können.

Wer den Umstieg konkret plant, sollte vorab drei Fragen klären: Welche Führerscheinklasse ist vorhanden? Welche Motorradklasse hat die angestrebte Leistung? Ist am Wohnort oder Stellplatz eine Lademöglichkeit realisierbar? Und schließlich: Eine Probefahrt bei einem spezialisierten Händler vermittelt ein realistisches Bild vom fahrdynamischen Unterschied gegenüber einem Verbrennermodell, bevor es an die Kaufentscheidung geht.