Bild: Alex Penfold für RM Sotheby's

34,7 Millionen Dollar: McLaren F1 GTR bringt Rekorderlös

Hopsala. Das wäre uns doch beinahe durchgerutscht, dass da ein McLaren F1 GTR kürzlich mit einem sensationellen Rekorderlös versteigert wurde. Und auch wenn das nun schon ein paar Tage her ist, so können wir dieses Ereignis nicht unter den Teppich fallen lassen. Denn …

Bei der RM-Sotheby’s-Auktion in Monterey wurde Automobilgeschichte geschrieben: Der McLaren F1 GTR mit der Chassisnummer 10R erzielte einen Preis von 34.655.000 US-Dollar. Damit übertraf der auffällig in Rot und Gelb lackierte Rennwagen die Erwartungen vieler Sammler.

Als der Hammer fiel, war Chassis 10R nicht nur der teuerste jemals öffentlich versteigerte McLaren. Der frühere Entwicklungswagen aus Woking stellte zugleich einen neuen Auktionsrekord für ein in Großbritannien gebautes Automobil auf.

Der Preis lässt sich nicht allein mit der Seltenheit des McLaren F1 erklären. Chassis 10R war McLarens Entwicklungsfahrzeug für die Saison 1996, wurde bei den Vorbereitungen auf die 24 Stunden von Le Mans eingesetzt und befand sich anschließend 25 Jahre lang im Besitz von Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason. Seine ungewöhnliche Lackierung brachte ihm außerdem den Beinamen „Pop-Art F1“ ein.

Bild: Alex Penfold für RM Sotheby’s

Vom Straßensportwagen zum Le-Mans-Sieger

Schon der gewöhnliche McLaren F1 zählt zu den bedeutendsten Supersportwagen des 20. Jahrhunderts. Einen wesentlichen Anteil an seinem heutigen Mythos hat jedoch die Rennversion. Der F1 GTR gewann 1995 gleich bei seinem ersten Start die 24 Stunden von Le Mans – und das nicht nur in seiner Klasse, sondern in der Gesamtwertung.

Dieser Erfolg war alles andere als selbstverständlich. Gordon Murray hatte den McLaren F1 ursprünglich als kompromisslosen Straßensportwagen entwickelt. Ein Einsatz im Motorsport war zunächst nicht vorgesehen. Erst auf Drängen von Kunden und Privatteams entstand der F1 GTR für die BPR Global GT Series.

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Die ersten Rennversionen blieben technisch vergleichsweise eng mit dem Straßenmodell verwandt. McLaren reduzierte das Gewicht, überarbeitete die Karosserie und montierte einen großen Heckflügel sowie Carbon-Keramik-Bremsen. Sogar das serienmäßige Getriebe des Straßenfahrzeugs blieb grundsätzlich erhalten.

Für Kundenteams entstanden neun Exemplare. Hinzu kam McLarens eigener Entwicklungswagen mit der Chassisnummer 01R. Unter dem Namen Kokusai Kaihatsu Racing trat dieses Fahrzeug 1995 in Le Mans an und gewann das Rennen. Am Steuer saßen JJ Lehto, Yannick Dalmas und Masanori Sekiya.

Der Triumph machte den F1 GTR schlagartig zu einer Motorsportlegende. Gordon Murray bezeichnete einen ersten Sieg in Le Mans später sogar als größere Herausforderung als zwei aufeinanderfolgende Formel-1-Weltmeisterschaften.

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Die schnellste Kurzheck-Version des F1 GTR

Doch die Konkurrenz reagierte. Für die Saison 1996 erschienen Fahrzeuge wie der Porsche 911 GT1, die von Beginn an wesentlich konsequenter für den Rennsport entwickelt worden waren. McLaren musste den F1 GTR deshalb umfassend weiterentwickeln.

Der F1 GTR des Modelljahres 1996 erhielt verbreiterte Karosseriepartien an Vorder- und Hinterachse sowie einen deutlich aggressiveren Frontsplitter. Die Änderungen sollten den aerodynamischen Abtrieb erhöhen und den Rennwagen konkurrenzfähig halten.

Auch das Getriebe wurde überarbeitet. Ein Gehäuse aus Magnesium und widerstandsfähigere Komponenten senkten das Gewicht. Insgesamt soll die 1996er-Ausführung rund 38 Kilogramm leichter gewesen sein als ihr Vorgänger.

Obwohl McLaren für 1997 noch den auffälligen F1 GTR Longtail entwickelte, gilt das 1996er-Modell als besonders reizvoll. Es kombiniert die kompakten und eleganten Proportionen der ursprünglichen Kurzheck-Version mit den umfangreichen technischen Verbesserungen der zweiten Entwicklungsstufe. Von dieser Ausführung entstanden erneut lediglich neun Exemplare.

Das erste davon war Chassis 10R.

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10R diente McLaren als Entwicklungsfahrzeug

Chassis 10R verließ das Werk in Woking im Dezember 1995. Als erstes Fahrzeug nach der neuen 1996er-Spezifikation blieb es zunächst bei McLaren und wurde als Erprobungsträger eingesetzt. Unter anderem fuhr der damalige Le-Mans-Sieger JJ Lehto den Wagen bei Wintertests im französischen Magny-Cours.

Darüber hinaus nutzte McLaren den 10R für Präsentationen bei verschiedenen Veranstaltungen der BPR Global GT Series. Aus dieser Zeit stammt seine besonders markante Gestaltung: eine kräftig rote Lackierung, kombiniert mit gelben „96 GTR“-Schriftzügen. Sie machte das Fahrzeug zu einem der optisch bekanntesten Exemplare der gesamten F1-Baureihe.

Im April 1996 absolvierte der Rennwagen erstmals ein offizielles Wettbewerbsprogramm. Während eines zwölfstündigen Tests bereitete sich McLaren auf die 24 Stunden von Le Mans vor. Wenige Wochen später trat 10R bei der Vorqualifikation auf dem Circuit de la Sarthe an.

Der McLaren startete in einer schlichteren roten Lackierung mit graphitfarbenen Rädern für Kokusai Kaihatsu Racing – jenes Team, das im Vorjahr den Gesamtsieg errungen hatte. Gefahren wurde er von McLaren-Werkspilot David Brabham. Der Wagen erreichte den achten Rang in seiner Klasse und Platz 20 im Gesamtklassement. Im eigentlichen 24-Stunden-Rennen setzte das Team anschließend jedoch das Schwesterfahrzeug 11R ein.

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Ein McLaren für Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason

Chassis 10R blieb zunächst ebenso wie der Le-Mans-Sieger 01R im Besitz von McLaren. Später verkaufte der Hersteller den Wagen direkt an Nick Mason. Der Schlagzeuger und Mitbegründer von Pink Floyd ist nicht nur Musiker, sondern seit Jahrzehnten auch einer der bekanntesten britischen Sammler historischer Renn- und Sportwagen.

Masons Garage umfasst beziehungsweise umfasste einige der wichtigsten Automobile der Motorsportgeschichte. Dazu gehören ein Ferrari 250 GTO, ein Maserati 250F, ein Bugatti Type 35, ein Jaguar D-Type und ein Porsche 962. Der McLaren F1 GTR fügte sich damit nahtlos in eine Sammlung ein, die nicht allein auf hohe Marktwerte, sondern vor allem auf technische und historische Bedeutung ausgerichtet ist.

Die Verbindung zwischen Mason und Chassis 10R verlieh dem Fahrzeug zusätzlich eine popkulturelle Dimension. Pink Floyd prägte nicht nur die Musikgeschichte, sondern mit dem Cover von „The Dark Side of the Moon“ auch die visuelle Kultur des 20. Jahrhunderts. Das 1973 erschienene Album wurde weltweit mehr als 45 Millionen Mal verkauft. Sein von Hipgnosis entworfenes Prisma gehört zu den bekanntesten Motiven der Popgeschichte.

In Verbindung mit seinem prominenten Besitzer erhielt der rot-gelbe F1 GTR deshalb den Beinamen „Pop-Art F1“.

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Für den öffentlichen Straßenverkehr umgebaut

1999 ließ McLaren Chassis 10R für den Einsatz auf öffentlichen Straßen umbauen. Das Fahrzeug erhielt anschließend die britische Zulassung „K40 MCL“. Weitere Anpassungen übernahm Lanzante Limited.

Der Name Lanzante ist eng mit der Geschichte des F1 GTR verbunden. Unternehmensgründer Paul Lanzante leitete 1995 das siegreiche Kokusai-Kaihatsu-Team in Le Mans. Sein Unternehmen entwickelte sich später zu einem Spezialisten für die Betreuung und Straßenzulassung besonders extremer McLaren-Rennfahrzeuge.

Chassis 10R gehörte zu den ersten F1 GTR, die Lanzante für den Straßenverkehr umrüstete. Schätzungen zufolge wurden insgesamt rund 16 Exemplare entsprechend modifiziert. Damit konnte ein Rennwagen, der aus einem ursprünglich für die Straße entwickelten Supersportwagen hervorgegangen war, wieder auf öffentlichen Straßen eingesetzt werden.

Lanzante übernahm über viele Jahre auch die Wartung des Fahrzeugs. Nick Mason soll bei dessen Pflege keine Kosten gescheut haben. Nach längeren Fahrten wurde der McLaren regelmäßig zur Kontrolle in die Werkstatt gebracht. Vor der Versteigerung stand Interessenten zudem ein aktueller Zustandsbericht von Lanzante Limited zur Verfügung.

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Zwei Unfälle und zwei Restaurierungen

Trotz seines enormen Wertes wurde Chassis 10R nicht ausschließlich als statisches Ausstellungsstück behandelt. Mason setzte den McLaren regelmäßig bei Veranstaltungen, Demonstrationsfahrten und Touren ein.

2007 war der Wagen auf der Rétromobile zu sehen. Zwei Jahre später testete ihn Autocar-Journalist Steve Sutcliffe. Bei einer weiteren Fahrt verlor ein anderer Journalist die Kontrolle und landete mit dem McLaren in einem Weizenfeld. Anschließend wurde das Fahrzeug von Dean Lanzante und seinem Team umfangreich restauriert.

Dean Lanzante hatte bereits 1995 zum Team beim Le-Mans-Sieg gehört. Später arbeitete er gemeinsam mit seinem Vater an der Vorbereitung und Restaurierung von Formel-1-Rennwagen sowie McLaren F1 GTR. Lanzante entwickelte sich darüber hinaus zu einer der wichtigsten Adressen für straßenzugelassene Versionen von McLarens extremsten Modellen. Dazu zählen neben dem F1 GTR auch verschiedene Ausführungen des P1 GTR und des Senna.

Chassis 10R kehrte nach seiner ersten Restaurierung wieder auf die Straße und zu Veranstaltungen zurück. Der Wagen nahm unter anderem an einer rund 750 Kilometer langen Jubiläumsausfahrt des 106 Drivers Club teil. Im Jahr 2014 absolvierte er gemeinsam mit fünf weiteren F1 GTR die Tour of Tuscany, die in Siena startete und ebenfalls über etwa 750 Kilometer führte.

2017 wurde der McLaren bei einer GT1-Demonstration in Goodwood eingesetzt. Nick Mason kam dabei von der Strecke ab und prallte in einen Reifenstapel. Wieder übernahm Dean Lanzante die Restaurierung. Zuletzt war der Wagen 2022 beim Goodwood Festival of Speed öffentlich zu sehen.

Nick Mason trennte sich nach 25 Jahren von 10R

Nick Mason behielt den McLaren insgesamt 25 Jahre. Erst im Frühjahr 2024 trennte er sich von Chassis 10R und verkaufte den Wagen privat an einen angesehenen unabhängigen Händler.

Wenig später wechselte der F1 GTR erneut den Besitzer – dieses Mal jedoch vor großem Publikum. Bei der RM-Sotheby’s-Auktion in Monterey erlebten die anwesenden Sammler ein historisches Bieterduell. Am Ende fiel der Hammer bei einem Gesamtpreis von 34.655.000 US-Dollar.

Damit setzte Chassis 10R gleich zwei neue Bestmarken. Nie zuvor war bei einer öffentlichen Auktion ein McLaren für eine höhere Summe verkauft worden. Zugleich wurde der F1 GTR zum teuersten jemals öffentlich versteigerten Auto aus britischer Produktion.

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Eines der bedeutendsten erhaltenen F1-Chassis

Bereits jeder McLaren F1 GTR gehört zu den begehrtesten Rennwagen seiner Epoche. Chassis 10R nimmt innerhalb dieser kleinen Gruppe jedoch eine besondere Stellung ein. Es handelt sich um das erste von nur neun Fahrzeugen der weiterentwickelten 1996er-Serie und zugleich um einen von lediglich zwei bekannten Kurzheck-Prototypen. Der andere ist ausgerechnet Chassis 01R, der Gesamtsieger von Le Mans 1995.

10R wurde von McLaren selbst entwickelt und getestet, von bekannten Werksfahrern bewegt und bei den Vorbereitungen auf Le Mans eingesetzt. Später erfolgte der Umbau für die Straße. Danach verbrachte der Wagen ein Vierteljahrhundert in der Sammlung eines der berühmtesten britischen Musiker und Autoliebhaber.

Auch seine Lackierung macht ihn unverwechselbar. Die Verbindung aus kräftigem Rot und gelber Grafik stammt unmittelbar aus seiner Zeit als McLaren-Entwicklungsfahrzeug. Kein anderer F1 GTR besitzt genau diese historische Werksgestaltung.

Damit verbindet Chassis 10R gleich mehrere Welten: die Entwicklungsgeschichte des McLaren F1, die große Zeit der GT1-Rennwagen, die 24 Stunden von Le Mans und die britische Popkultur. Der Rekordpreis von knapp 34,7 Millionen Dollar zeigt, welchen Stellenwert diese einzigartige Kombination aus Technik, Motorsportgeschichte, prominenter Provenienz und unverwechselbarer Gestaltung inzwischen auf dem internationalen Sammlermarkt besitzt.

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