In einer Welt, in der Super- und Hypercars immer digitaler, schneller und distanzierter werden, wagt ein neues Projekt einen radikalen Schritt zurück – nach vorn. Während Hersteller wie Ferrari oder Lamborghini bei jedem Modellwechsel auf maximale Performance setzen, oft zulasten des Fahrerlebnisses, stellt Garagisti & Co. mit dem GP1 eine andere Vision vor: eine Hommage an das goldene Zeitalter der Keilform-Supersportler – weitergedacht in die Zukunft.
Was wäre, wenn Ikonen wie der Countach oder der Stratos Zero nie verschwunden wären? Wenn sie sich fernab von Rundenzeiten und Spoilerwahn rein am Fahrspaß hätten weiterentwickeln dürfen? Der GP1 gibt eine Antwort – puristisch, handgemacht, brutal schön.
Die Köpfe hinter der Idee
Angeführt wird das Team von Mario Escudero, einem Mann, der Legenden lebt – buchstäblich: 13.000 Kilometer in einem Countach in nur einem Jahr. Seine Philosophie: Nur wer fährt, versteht. Diese Philosophie prägt Garagisti & Co. und ihre erste Kreation – basierend auf zahllosen Kilometern mit den faszinierendsten analogen Supersportwagen der Geschichte.
Der Name „Garagisti“ ist dabei kein Zufall, sondern gezielter Seitenhieb. Ursprünglich von Enzo Ferrari abfällig für die britischen Formel-1-Privatteams der 50er- und 60er-Jahre genutzt, steht er heute für kreative Außenseiter, die den Giganten mit Genialität trotzen. Genauso tritt der GP1 gegen die etablierte Hypercar-Elite an.
Design: Eine radikale Hommage
Das Äußere trägt die Handschrift von Angel Guerra, bekannt durch den Bugatti Mistral und Rimac Nevera. Seine Inspirationsquelle? Der Lancia Stratos Zero von Gandini – ein visuelles Manifest der Keilform-Ära.
Der GP1 übernimmt dessen geometrische Klarheit und bringt sie mit modernen Akzenten ins Heute:
- Eine durchgehende Lichtleiste prägt die Front.
- Der in die Windschutzscheibe übergehende „S-Schacht“ zitiert Gandinis Entlüftungslinie.
- Felgenwahl: Entweder klassische Fünfspeichen oder „Telefonwählscheibe“-Design.
Auch die Seitenansicht ist eine Reminiszenz an Posterhelden vergangener Jahrzehnte – inklusive vertikaler Heckscheibe, breiter Hüften und Countach-Strebebögen. Am Heck: ein freiliegendes Getriebe, massiver Diffusor und vier mittig platzierte Endrohre. Die radikale Linie vollendet sich erst in der Draufsicht – mit „Cab-forward“-Layout und NACA-Lufteinlässen wie aus der Luftfahrt.
Mehr Traumwagen:
- Hennessey Venom F5 Revolution LF: Einzelstück mit über 2.000 PS
- Ferrari 849 Testarossa: Alter Name, neues Modell – mit über 1.000 PS
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Purismus mit Downforce
Trotz aller Dramatik bleibt das Design funktional zurückhaltend. Spoiler oder „Dive Planes“? Fehlanzeige. Der GP1 generiert 850 kg Abtrieb allein durch aerodynamisch perfektionierte Flächen – bei einem Trockengewicht von nur 1.000 kg. Das ist kein Showcar – das ist Ingenieurskunst.
Der Herzschlag: Ein V12 für die Sinne
Im Zentrum schlägt ein Motor, wie er heute kaum noch gebaut wird:
Ein brandneuer, 6,6-Liter-V12 mit 65°-Bankwinkel, entwickelt von Italtecnica – bekannt durch den Maserati MC12 GT1.
Technische Eckdaten:
- 9.000 U/min Maximaldrehzahl
- 800+ PS bei 8.500 U/min
- 700 Nm Drehmoment
Trockensumpfschmierung, Zahnräder statt Ketten, vier Ventile pro Zylinder
Und das Beste: Statt Doppelkuppler erwartet Fahrer eine manuelle 6-Gang-Schaltbox von Xtrac – direkt, ehrlich, kompromisslos. Eine bewusste Reminiszenz an Fahrmaschinen wie den Porsche Carrera GT, dessen freischwebende Mittelkonsole hier stilistisch zitiert wird.
Keine leeren Versprechen
Natürlich klingt all das fast zu gut, um wahr zu sein. Doch die Liste der Partner spricht Bände:
- Brembo liefert die Bremsen
- Öhlins sorgt für die Aufhängung
- DEXET Technologies bringt F1- und WEC-Erfahrung für Carbonstruktur und Chassis ein
Das Projekt ist kein PowerPoint-Traum, sondern reale Ingenieursarbeit.
Mehr Traumwagen:
- Aston Martin DBS „Octavia“: Ringbrothers’ bislang kühnstes Restomod
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Exklusiv. Teuer. Extrem.
Der Preis? 2,45 Millionen Pfund – exkl. MwSt. Dafür gibt es nicht nur ein Auto, sondern eine Idee zum Anfassen. Die ersten 12 Kunden sind Teil des Entwicklungsprozesses, dürfen mit Motorenbauern, Chassis-Ingenieuren und Designern an „ihrem“ GP1 mitwirken. Insgesamt sind nur 25 Exemplare geplant – gefolgt von einer noch radikaleren Rennversion.
Schon bald beginnt die nächste Entwicklungsphase. Und dann hören wir ihn vielleicht endlich: den Sound eines neuen V12 – der klingt wie ein Abschied und ein Aufbruch zugleich.



















