Gunther Werks GXR-EVO: Tracktool-Restomod mit Straßenzulassung

Restomods auf Basis des Porsche 911 gibt es mittlerweile beinahe wie Sand am Meer. Wer in diesem inzwischen ziemlich dicht besetzten Feld noch auffallen möchte, muss entsprechend weit gehen. Und genau darin hat Gunther Werks reichlich Erfahrung. Die Kalifornier haben sich darauf spezialisiert, den Porsche 911 der Generation 993 weit über das hinaus zu entwickeln, was Porsche Mitte der Neunziger selbst auf die Straße brachte. Mit dem neuen GXR-EVO erreicht dieses Konzept nun einen neuen Höhepunkt.

Vorgestellt im Rahmen der Monterey Car Week, ist der GXR-EVO weniger klassischer Restomod als vielmehr ein kompromissloses Tracktool mit Nummernschild. Basis ist zwar weiterhin ein Porsche 993, doch vom ursprünglichen Fahrzeug bleibt nach dem Umbau nicht mehr sonderlich viel übrig.

Carbon statt Neunzigerjahre-Blech

Besonders deutlich wird das an der Karosserie. Gunther Werks ersetzt große Teile durch neu entwickelte Komponenten aus Carbon und nutzt die Gelegenheit, die Aerodynamik massiv zu verändern. Der GXR-EVO bekommt einen aggressiven Frontsplitter, zusätzliche Luftleitelemente, sogenannte Dive Planes, einen ausgeprägten Heckdiffusor und einen gewaltigen Heckflügel.

Letzterer fällt so extrem aus, dass selbst die klassische Heckscheibe weichen musste. An ihre Stelle tritt eine Konstruktion, die unter anderem der Stabilisierung des großen Aerodynamikpakets dient. Mit der vergleichsweise dezenten Silhouette eines serienmäßigen 993 hat das Ergebnis entsprechend wenig gemeinsam.

Gleichzeitig wurde konsequent abgespeckt. Gegenüber den ohnehin bereits gewichtsoptimierten Coupés von Gunther Werks sollen nochmals rund 95 Kilogramm verschwunden sein. Das Resultat ist ein Trockengewicht von lediglich rund 1.082 Kilogramm.

Damit bewegt sich der GXR-EVO gewichtstechnisch in Regionen, die bei modernen Sportwagen kaum noch vorstellbar sind.

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4,0-Liter-Sauger mit 455 PS

Umso beeindruckender fällt das Leistungsgewicht aus. Im Heck arbeitet kein moderner Turbomotor, sondern ein von Rothsport überarbeiteter 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer. Der luftgekühlte Saugmotor soll rund 455 PS leisten.

Für die Gemischaufbereitung kommt unter anderem eine Schieberdrosselanlage zum Einsatz. Frischluft erhält der Boxer über auffällige Ansaugöffnungen, die Gunther Werks in den Bereich der hinteren Seitenscheiben integriert hat.

Auf umfangreiche Schalldämmung scheint bei diesem Projekt ebenfalls niemand besonderen Wert gelegt zu haben. Die Abgase werden über eine entsprechend kompromisslose Abgasanlage ins Freie entlassen. Akustisch dürfte der GXR-EVO damit wesentlich näher an einem Rennwagen als an einem klassischen Straßen-993 liegen.

Geschaltet wird ebenfalls ganz traditionell. Gunther Werks kombiniert den Boxer mit einem stark modifizierten G50-Sechsgang-Schaltgetriebe aus der 993-Baureihe. Automatik, Doppelkupplungsgetriebe oder elektronische Komfortlösungen spielen hier keine Rolle.

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Fahrwerkstechnik für die Rennstrecke

Dass der GXR-EVO nicht einfach nur spektakulär aussehen soll, zeigt ein Blick unter die Carbonhülle. An der Vorderachse setzt Gunther Werks auf eine Doppelquerlenkerkonstruktion. Hinzu kommen dreifach einstellbare RZ-Dämpfer mit externen Ausgleichsbehältern.

Für die notwendige Verzögerung sorgt eine Brembo-Pista-Bremsanlage an Vorder- und Hinterachse. Dazu kommen Magnesiumräder mit Zentralverschluss, die ungefederte Massen reduzieren sollen. Ein pneumatisches Liftsystem erleichtert immerhin den Umgang mit Bodenwellen, steilen Einfahrten oder Rampen.

Auch elektronisch bekommt der Fahrer Unterstützung – allerdings nicht primär im Sinne von Komfort. Der GXR-EVO verfügt über ein speziell für den Rennstreckeneinsatz ausgelegtes ABS.

Innenraum ohne überflüssigen Luxus

Noch deutlicher wird die Ausrichtung beim Blick ins Cockpit. Statt eines luxuriös restaurierten 993-Innenraums wartet dort eine Umgebung, die ohne Umwege klarstellt, wofür dieses Auto gebaut wurde.

Gunther Werks verbaut Motec-Displays, einen Racetech-Rennsitz aus Carbon-Kevlar und Sechspunktgurte. Ein Achtpunkt-Überrollkäfig sorgt für zusätzliche Sicherheit. Hinzu kommen eine elektronische OMP-Feuerlöschanlage und sogar ein Helmkühlsystem.

Eine interessante Lösung musste sich Gunther Werks auch für die Sicht nach hinten einfallen lassen. Aufgrund der radikalen Aerodynamik und der veränderten Heckpartie wäre ein klassischer Innenspiegel wenig hilfreich. Deshalb übernimmt eine Kamera samt elektronischem Rückspiegel diese Aufgabe.

Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Straßenauto und Rennfahrzeug endgültig. Viel fehlt dem GXR-EVO nicht mehr zu einem echten Wettbewerbsfahrzeug – nur dass man mit ihm zumindest theoretisch auch abseits einer Rennstrecke unterwegs sein kann.

Der passende Rennsimulator gehört gleich dazu

Als wäre der eigentliche Porsche nicht extravagant genug, legt Gunther Werks noch ein ziemlich außergewöhnliches Zubehör bei. Jeder GXR-EVO soll zusammen mit einem speziell auf das Fahrzeug zugeschnittenen Rennsimulator ausgeliefert werden.

Auch hier wird nicht einfach ein handelsübliches Gaming-Rig neben das Auto gestellt. Die Konstruktion besteht aus Aluminium und Carbon und erhält ein Lenkrad, dessen Gestaltung sich am echten GXR-EVO orientiert.

Noch interessanter ist die Software. Laut Gunther Werks wurde die Simulation so abgestimmt, dass sie das Fahrverhalten des realen Autos möglichst präzise nachbildet. Besitzer können sich damit theoretisch zu Hause auf einen Trackday vorbereiten, bevor sie den echten 993 aus der Garage holen.

Ein 993 am äußersten Ende der Restomod-Skala

Mit dem GXR-EVO entfernt sich Gunther Werks endgültig von der Idee, einen klassischen Porsche lediglich zu modernisieren. Stattdessen dient der 993 hauptsächlich als Ausgangspunkt für einen Sportwagen, bei dem moderne Werkstoffe, Rennsporttechnik und ein luftgekühlter Boxer aufeinandertreffen.

455 PS klingen im Zeitalter von 700 oder 800 PS starken Supersportwagen zunächst beinahe zurückhaltend. Bei gerade einmal rund 1.082 Kilogramm Trockengewicht sieht die Sache allerdings völlig anders aus. Dazu kommen eine kompromisslose Aerodynamik, Magnesiumräder, Rennfahrwerk, große Brembo-Bremsen und ein Cockpit, das eher an ein GT-Rennfahrzeug als an einen Porsche aus den Neunzigern erinnert.

Wer einen möglichst originalgetreuen 993 sucht, dürfte mit dem GXR-EVO wenig anfangen können. Wer dagegen wissen möchte, wie weit sich das Konzept des letzten luftgekühlten Porsche 911 treiben lässt, bekommt mit dem neuen Gunther Werks eine ziemlich eindeutige Antwort.

Gunther Werks GXR-EVO

Bilder: Gunther Werks