Porsche 911 Challenge: Erbe des Cayman GT4 RS Clubsport

Porsche stellt seinen Kundensport neu auf und macht dabei ausgerechnet den 911 zum neuen Einstiegsmodell. Der 911 Challenge übernimmt künftig die Rolle, die bislang GT4 Clubsport und 718 Cayman GT4 RS Clubsport innehatten. Technisch orientiert sich der Neue bewusst am aktuellen 911 GT3, bekommt aber alles mit auf den Weg, was aus einem schnellen Straßenauto einen echten Rennwagen macht.

Die Zielgruppe ist damit ziemlich eindeutig: Der Challenge richtet sich vor allem an ambitionierte Trackday-Fahrer und Motorsport-Neulinge, denen ein 911 GT3 vertraut ist, für die ein Cup-Elfer aber noch eine Nummer zu groß wäre. Porsche versucht, die Lücke zwischen Straßen-GT3 und professionellem Kundensport zu schließen.

Der günstigste Porsche-Rennwagen ist jetzt ein 911

Bislang begann die Porsche-Motorsportwelt unterhalb des 911. Der Cayman bildete über mehrere Generationen die vergleichsweise erschwingliche Basis für Kunden, die in den Rundstreckensport einsteigen wollten. Damit ist nun Schluss.

Mit dem Challenge setzt Porsche erstmals auch auf der untersten Stufe seines aktuellen Kundensportprogramms auf den 911. Darüber folgen der 911 GT4 R, der 911 Cup und schließlich der 911 GT3 R für den internationalen GT3-Sport.

Der Challenge soll sich dabei bewusst von seinen kompromissloseren Brüdern unterscheiden. Statt möglichst viele spezielle Rennsportkomponenten einzubauen, greift Porsche dort auf Serientechnik zurück, wo sie sinnvoll erscheint.

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So stammt beispielsweise das Siebengang-PDK aus dem Straßenauto. Auch die Klimaanlage bleibt erhalten. Das Lenkrad orientiert sich am GT3 RS, wurde allerdings um spezielle Funktionen für den Rennbetrieb erweitert.

Vor allem bei den elektronischen Helfern geht Porsche einen für einen Rennwagen ungewöhnlich einsteigerfreundlichen Weg. ABS, Traktionskontrolle und ESC lassen sich anpassen. Dazu kommt das mehrstufig einstellbare Porsche Torque Vectoring Plus. Wer seine ersten Rennkilometer absolviert, muss also nicht sofort auf sämtliche elektronischen Sicherheitsnetze verzichten.

Ab 2027 soll der Challenge in verschiedenen Porsche-Markenpokalen rund um den Globus eingesetzt werden.

Vierliter-Sauger statt komplizierter Renntechnik

Auch beim Motor hält sich Porsche eng an den bekannten GT3. Der Vierliter-Sechszylinder-Boxer verzichtet weiterhin auf Turboaufladung und darf bis 9.000 U/min drehen.

Im Challenge leistet das Aggregat 379 kW beziehungsweise 515 PS bei 8.500 U/min. Damit dürfte sich der Charakter des Motors kaum grundlegend vom Straßen-GT3 unterscheiden: Leistung gibt es vor allem über Drehzahl.

Modifiziert wurde dagegen die Abgasanlage. Ein Katalysator bleibt erhalten, der Partikelfilter entfällt jedoch.

Die Kraft gelangt über das bekannte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Hinterräder. Geschaltet wird automatisch oder manuell über die Wippen am Lenkrad.

Dass Porsche bei Antrieb und Getriebe weitgehend auf erprobte Komponenten zurückgreift, hat einen praktischen Hintergrund. Ein Einstiegsrennwagen muss nicht nur vergleichsweise bezahlbar in der Anschaffung sein. Auch Wartungsintervalle, Ersatzteilpreise und Reparaturaufwand entscheiden darüber, wie teuer eine Rennsaison am Ende tatsächlich wird.

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Beim Fahrwerk hört die Gemütlichkeit auf

Während Antrieb und Bedienung bewusst vertraut wirken sollen, wird es beim Fahrwerk deutlich ernsthafter. Hier bedient sich Porsche teilweise bei den höher positionierten Rennmodellen.

Die Dämpfer besitzen eine speziell für den Motorsport entwickelte Abstimmung. Der Querstabilisator lässt sich in drei Positionen einstellen und ermöglicht damit eine Anpassung des Fahrverhaltens an Strecke und persönliche Vorlieben.

Gefahren wird auf 18-Zoll-Rädern mit Rennslicks. Die Felgen bleiben über fünf Radschrauben befestigt und orientieren sich damit am Konzept des 911 GT4 R.

Auch dessen Bremsanlage übernimmt der Challenge. An Vorder- und Hinterachse arbeiten jeweils 380 Millimeter große Stahlbremsscheiben.

Damit entsteht eine interessante Mischung: Motor und Getriebe bleiben vergleichsweise seriennah, Reifen, Bremsen und Fahrwerk bewegen sich dagegen bereits deutlich in Richtung eines reinrassigen Wettbewerbsautos.

Kein GT3 mit Überrollbügel

Äußerlich bleibt die Verwandtschaft mit dem Straßen-GT3 unverkennbar. Abmessungen und zahlreiche Karosseriekomponenten entsprechen weitgehend dem Serienmodell. Trotzdem wurde der 911 konsequent für den Einsatz auf der Rennstrecke vorbereitet.

Der Heckflügel lässt sich mechanisch in vier Positionen verstellen. Die Fronthaube besitzt Schnellverschlüsse, am Heck sitzt eine FIA-konforme Regenleuchte. Besonders praktisch im Fahrerlager ist die serienmäßige Lufthebeanlage mit drei Hubstempeln.

Noch deutlicher fallen die Unterschiede im Innenraum aus.

Alles, was für schnelle Runden nicht benötigt wird, muss raus. Dämmmaterialien, Teppiche und große Teile der normalen Innenverkleidung fehlen. Dafür erhält der Challenge einen fest mit der Karosserie verbundenen Überrollkäfig.

Ein Rennschalensitz samt Sechspunktgurt, eine Feuerlöschanlage und ein 110 Liter großer FT3-Sicherheitstank komplettieren die Ausstattung.

Eine Straßenzulassung spielt bei diesem Auto keine Rolle. Der Challenge ist von Anfang an ausschließlich als Wettbewerbsfahrzeug konzipiert.

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Vom Trackday direkt in den Markenpokal

Interessant ist weniger die Frage, wie schnell der Challenge letztlich sein wird, sondern wen Porsche damit erreichen möchte.

Ein Besitzer eines straßenzugelassenen GT3 soll sich hineinsetzen und möglichst vieles wiedererkennen. Das reduziert die Eingewöhnung und dürfte gerade Fahrern entgegenkommen, die bislang hauptsächlich Trackdays besucht haben.

Porsche Motorsportchef Thomas Laudenbach sieht den neuen Rennwagen entsprechend als Erweiterung der langjährigen GT3-Philosophie. Straßen- und Rennfahrzeuge sollen nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern möglichst eng miteinander verbunden bleiben.

Noch wichtiger dürfte für viele Privatfahrer allerdings das Gesamtpaket sein. Porsche verkauft nicht nur einen fertigen Rennwagen, sondern stellt Ersatzteilversorgung, technische Dokumentation, Datenerfassung und Motorsport-Support bereit.

Gerade für Einsteiger ist das nicht zu unterschätzen. Einen GT3 auf einem Trackday schnell zu bewegen, ist schließlich etwas anderes, als ein Auto über eine komplette Rennsaison zuverlässig einzusetzen.

Challenge, GT4 R, Cup oder GT3 R?

Innerhalb des Porsche-Programms bekommt der Neue eine klar definierte Rolle.

Der 911 Challenge bildet den Einstieg und soll hauptsächlich in Porsche Challenges und Trophies antreten. Wer anschließend den nächsten Schritt machen möchte, findet mit dem 911 GT4 R ein deutlich weiterentwickeltes Wettbewerbsfahrzeug für die GT4-Kategorie.

Darüber rangiert der 911 Cup, der vor allem aus Carrera Cup und Porsche Mobil 1 Supercup bekannt ist, aber auch bei zahlreichen anderen Rennveranstaltungen eingesetzt werden kann.

Ganz oben wartet der 911 GT3 R. Er ist für professionelle Kundenteams und den internationalen GT3-Sport nach FIA-Reglement bestimmt und hat mit einem Einsteiger-Rennwagen nur noch wenig gemeinsam.

Was kostet der Porsche 911 Challenge?

Auch beim Preis soll der Abstand zu den übrigen Renn-Elfern deutlich ausfallen. Nach bislang kursierenden Informationen wird für den Challenge ein Betrag von rund 184.000 Euro vor Steuern genannt.

Zum Vergleich: Ein 911 GT4 R liegt bei etwa 265.000 Euro, für den 911 Cup werden rund 269.000 Euro fällig und der 911 GT3 R bewegt sich mit etwa 573.000 Euro ohnehin in einer anderen Welt.

Natürlich sind selbst 184.000 Euro nur der Anfang. Reifen, Verschleißteile, Transport, Mechaniker, Nenngelder und mögliche Unfallschäden sorgen im Motorsport zuverlässig dafür, dass der Kaufpreis schnell relativiert wird.

Trotzdem könnte Porsche mit dem Challenge einen ziemlich cleveren Schritt machen. Denn statt Interessenten über einen kleineren Mittelmotor-Sportwagen an den Rennsport heranzuführen, setzt man ihnen jetzt gleich einen Elfer hin. Einen, der sich an vielen Stellen wie ein GT3 anfühlen soll – nur eben mit Käfig, Slicks und ohne Kennzeichen.

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