Neu ist nicht immer besser. Und selbst wenn, dann ist es das vielleicht in Zahlen, aber was ist mit den echten Werten? Große Gefühle und tiefe Leidenschaft entstehen meist dann, wenn das Herz über den Verstand siegt. Der neue Porsche 718 Boxster GTS 4.0 könnte dafür kein besseres Beispiel sein.

Dabei hat man in Stuttgart alles gegeben. Sie haben tief in die Trickkiste gegriffen, ja sogar den Namen geändert. Mit „718“ haben sie ein Baureihenkürzel aus der Vergangenheit ins Jetzt übersetzt, wie passender kaum sein könnte. Ein zartes Mittelmotorfahrgestell, sündig schön und federleicht. Angetrieben vom vielleicht komplexesten Vierzylinder aller Zeiten. Geboren um die größten Rennsiege der Welt einzufahren.

Strich Sechs: der Porsche 718 Boxster GTS 4.0

Die Brücke war also gebaut. Niemand sollte dem Sechszylinder des alten Boxsters hinterherweinen. Stattdessen mit großer Freude auf das Filigrane, die neugewonnene Leichtigkeit und das alerte Wesen der Turbo-Vierzylinder geblickt werden. Sogar der große Le Mans-Held vom Typ 919 Hybrid hielt es tapfer aus, dass sein Kurbelwellen-Konzept zum Marketing für den kleinen Offenen hergenommen wurde.

Und doch hat immer etwas gefehlt.

Leistung fehlte nie, in der Mitte waren die Turbomotoren sogar potenter als je zuvor. Aber die Darbietung. Das Direkte, das Unmittelbare, dieser kostbare Moment, in dem das Auto das Zucken im Fuß beinahe zu antizipieren spürt – es war nicht mehr da.

Denn ein Porsche ist immer Überfluss. Alltagsflucht. Unsinn. Wenn man ihn plötzlich mit Sparsamkeit und Rationalität betrachtet, ja natürlich aus EU-Gesetzessicht sogar auch sehen muss, dann muss man die Frage stellen: Kann das dann noch funktionieren?

Im Sinne der Emotion muss die Antwort lauten: Nein. Deshalb hat man in Stuttgart nun reagiert. Mit dem Porsche 718 Boxster GTS 4.0 kehrt der Sechszylinder zurück. Und wie. Nicht mehr bloß mit 3.4 Litern Hubraum wie im Vorgängermodell, nein. Volle vier Liter Hubraum. Es ist, als wollen sie zeigen, dass sie mehr als verstanden haben. Vielleicht sogar ein bisschen entschuldigen.

Als wäre er nie weggewesen: der Sechszylinder

Doch eigentlich interessieren Zahlen an dieser Stelle nicht. Wenn der Zündschlüssel am rauh-kalten Frühlingsmorgen rumgeht und die Mechanik im Heck zum Leben erwacht, dann ist es sofort da: Das Gefühl. Etwas Großes, etwas Wunderbares, ja vielleicht sogar etwas in diesen Tagen Einzigartiges.

Heiser und kehlig blafft der Vierliter zum Start, verfällt in einen nervösen Leerlauf und zeigt an: Los jetzt! Dass er mechanisch in direkter Erbfolge zum Meisterwerk aus GT3 und 911 Speedster steht und sogar baugleich in GT4 und Spyder montiert wird zeigt an, dass sie in Suttgart mit dem Porsche 718 Boxster GTS 4.0 vielleicht wirklich etwas zurückgeben wollten.

Und so fährt es auf der ersten Ausfahrt dann auch. Das geschliffene Fahrwerkstalent, die makellose Balance des Mittelmotors und die feinnervigen Reaktionen auf kleinste Lenkeingaben des Fahrers – der 718 ist noch immer eine Offenbarung die keine Konkurrenz kennt.

Mit dem Vierliter im Heck schraubt sich das Erlebnis aber noch einmal in eine ganz andere Dimension. 400 echte freisaugende, rotäugig wild ausdrehende Pferdestärken, die erst bei knapp 8000 Umdrehungen in den Begrenzer rennen. Ein Getriebe, dass keine Schonung kennt und Fahrer wie Drehzahlen fordert.

Es ist, als könne es nicht besser sein. Wenn das Dach offen, das Öl warm und die Lieblingsstrecke frei ist, dann bist Du im Himmel. Sofort, ohne Eingewöhnung. Weil der Porsche 718 Boxster GTS 4.0 mehr ist als ein Auto. Er ist ein Fluchtfahrzeug. Er holt Dich aus dem Alltag. Er lässt Dich alles vergessen. Und er lässt Dich genießen. Weil er ein absolutes Traumauto ist.

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