Wenden wir uns im 70 Jahre Ferrari-Spezial mal den etwas bodenständigeren Italienern zu – sofern man überhaupt von bodenständig sprechen kann. Nach dem nach Enzos Sohn benannten Dino 206 und 246 folgten als erstes Einsteigermodell im Jahre 1975 der 308 GTB und dessen Ableger GTS mit herausnehmbaren Targadach. Anstelle des beim Dino verwendeten Sechszylinders verwendete man bereits im 308 einen quer eingebauten V8, anstelle des klassischen und rundlichen Designs zeigte man klare Kante. Das Konzept war letzten Endes so erfolgreich, dass man nach zehn Jahren Bauzeit einen Nachfolger des 308 nach klassischem Layout präsentierte: den 328.

Die Zahl 328 gründet auf der Größe des Hubraums (3,2 Liter) und der Anzahl der Zylinder. Optisch unterschied sich der neue Einsteiger-Ferrari, der lediglich vier Jahre lang gebaut wurde bevor man seinen Nachfolger 348 präsentierte, vor allem durch geänderte und tiefer heruntergezogene sowie durchlackierte Stoßfänger, die dem 328 im Vergleich zum 308 ein deutlich breiteres und stämmigeres Auftreten schenkten und gleichzeitig seine Präsenz im Straßenbild erhöhten. Der 328 erfuhr trotz seines Grundpreises von mindestens 112.000 DM große Beliebtheit und kann in Anbetracht der Stückzahlen durchaus schon als Volumenmodell gelten, wobei die Mehrzahl der Kunden zur analog zum 308 ebenfalls angebotenen Targa-Version GTS griff.

Gleichwohl führte der 328 – wie auch fast jeder seiner Nachfolger wiederum – zunächst ein Schattendasein hinter der unangefochtenen Stil-Ikone 308. Fans bemängelten damals, die Eigenständigkeit der Baureihe sei durch das „Gesicht“ des Testarossa verlorengegangen. Heute gilt der 328 als eines der schönsten Mittelmotormodelle, was nicht zuletzt an seinem vollendeten und runden Design liegen mag. Doch auch die technischen Daten vermochten zu begeistern und bedeuteten Mitte der Achtziger einen großen Schritt nach vorne.

Der Motor basierte zwar auf dem vormals im 308 eingesetzten V8, konnte jedoch mit deutlich besseren Leistungsdaten aufwarten. Mit 3,2 Litern Hubraum verfügte der quer eingebaute Achtzylinder über 270 PS und knapp über 300 Newtonmeter Drehmoment, was bereits 30 PS und 40 Newtonmeter mehr Drehmoment im Vergleich zum 308 GTB mit Einspritzung bedeutete. In Zahlen hieß das: 5,8 Sekunden von 0 auf 100 Km/h für den GTB, die Spitzengeschwindigkeit betrug knapp 270 und überflügelte damit den Vorgänger 308 deutlich. Auch die Fahrbarkeit wurde (trotz immer noch fehlender Servolenkung) durch ein etwas einfacher zu schaltendes Fünfganggetriebe und eine verbesserte Sitzposition erhöht. Nicht nur deswegen galt der 328 lange Zeit als der Einsteigerferrari schlechthin, doch auch hier ziehen die Preise für gut erhaltene Exemplare von knapp 5.000 gebauten GTS und rund 1.100 gebauten GTB mittlerweile stark an.

Der hier gezeigte 328 GTS in klassischster Farbkombination rosso corsa / tan aus 1988 wurde am 19. Januar für 88.000 US-Dollar in Arizona von RM Sotheby’s versteigert.

Bildquelle: RM Sotheby’s / Darin Schnabel

Das optische Vorbild für den 328 GTS haben wir ebenfalls behandelt:
70 Jahre Ferrari, Teil 3: Testarossa „Monospecchio“

Ebenfalls mit Mittelmotor, allerdings weniger „bodenständig“:
70 Jahre Ferrari, Teil 1: der F40
70 Jahre Ferrari, Teil 7: der F50

Und natürlich haben wir da noch ganz viele Frontmotor-V12:
70 Jahre Ferrari, Teil 2: 250 GT Berlinetta Lusso
70 Jahre Ferrari, Teil 4: 330 GT 2+2
70 Jahre Ferrari, Teil 5: 575 Superamerica
70 Jahre Ferrari, Teil 6: 275 GTB

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