Wir bleiben in unserer Geburtstagsreihe 70 Jahre Ferrari noch ein wenig bei den sportlichen Modellen des vergangenen Jahrzehnts und nach dem 360 Challenge Stradale kommt, was für Ferraristi kommen muss: der F430. Aber nicht irgendein F430, nein. Auch von dem erfolgreichen Nachfolger des 360 gab es neben Berlinetta und Spider ein paar Schmankerl, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Allen voran der 430 Scuderia, doch der ist in Teil 11 noch nicht an der Reihe. Da gab es noch etwas exklusiveres aus Maranello. Schön, natürlich schnell und: offen. Der Scuderia Spider 16M erfüllte so ziemlich jeden Wunsch der gestandenen Kundschaft.

Bild: RM Sotheby’s / Tom Gidden

Die Basis bildete im Jahre 2008 besagter 430 Scuderia, gewissermaßen der Challenge Stradale des F430, der mit 100 Kilogramm weniger Hüftspeck und dafür 20 PS mehr der versammelten Konkurrenz von Porsche 911 GT3 RS und Lamborghini Gallardo Superleggera das Fürchten lehrte. Der Scuderia Spider war dann das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“ und mit dem Beinamen 16M feierte Ferrari mal wieder sich selbst: der sechzehnte Gewinn der Mondiali, zu deutsch: Weltmeisterschaft, der Formel Eins sollte Anlass für den schärfsten F430 überhaupt sein. Vermutlich deshalb wurde er auch auf 499 Exemplare limitiert.

Bild: RM Sotheby’s / Tom Gidden

Was nicht heißt, dass er noch schneller wäre als die Berlinetta: zwar fehlt dem Spider das Dach, doch die notwendigen Versteifungen machen jeglichen Gewichtsvorteil zunichte: so wiegt er neunzig Kilogramm mehr als das Coupé und liegt damit folglich auf dem Niveau eines normalen F430. Den normalen Spider hingegen unterbietet er deutlich, auch in den Fahrleistungen: der unverändert 510 PS starke 4,3-Liter-V8 peitscht die beiden Insassen bei Bedarf in 3,7 Sekunden auf Landstraßentempo und setzt sie mit 315 Km/h Höchstgeschwindigkeit einem wahren Gefühlsorkan aus – offen, natürlich. Geschaltet wird stets per sequentiellem Getriebe, als Handschalter war schon der Scuderia nicht zu haben.

Bild: RM Sotheby’s / Tom Gidden

Dem 430 Scuderia nicht zu verfallen, war bereits schwer, beim Spider 16M wurde es fast unmöglich. Den leichten Gewichtsnachteil glich er durch das unverfälschte Sounderlebnis mit geöffnetem Stoffverdeck wieder aus – die Auto, Motor und Sport ermittelte satte 131,5 dbA bei einer Tunneldurchfahrt. So wurde er zur perfekten Fahrmaschine, die es dank elektronisch gesteuertem Sperrdifferential an der Hinterachse sowie intelligenter Traktionskontrolle leicht(er) machte, sehr schnell unterwegs zu sein. Einziges Hindernis, damals wie heute: der Preis. Eine Viertelmillion Euro war 2008 mindestens zu entrichten, heute ist es in aller Regel deutlich mehr.

Bild: RM Sotheby’s / Tom Gidden

Das gilt auch für unser Fotoexemplar in klassischem Rosso Scuderia: ausgeliefert im Sommer 2009 an einen deutschen Ferrari-Sammler wurde es bis zuletzt lediglich 674 Kilometer bewegt. Am 8. Februar dieses Jahres wurde es von RM Sotheby’s für 347.200 Euro versteigert.

Bildquelle: RM Sotheby’s / Tom Gidden

Mehr über den häufig zitierten 360 Challenge Stradale:
70 Jahre Ferrari, Teil 10: 360 Challenge Stradale

Mit ihnen konnte man auch sehr schnell unterwegs sein, doch dann musste man was können:
70 Jahre Ferrari, Teil 1: der F40
70 Jahre Ferrari, Teil 7: der F50

Wer eher für ältere V8-Mittelmotoren zu haben ist, für den haben wir noch:
70 Jahre Ferrari, Teil 8: 328 GTS

Und Ferrari baute natürlich nicht nur den F50 mit zwölf Zylindern:
70 Jahre Ferrari, Teil 2: 250 GT Berlinetta Lusso
70 Jahre Ferrari, Teil 3: Testarossa „Monospecchio“
70 Jahre Ferrari, Teil 4: 330 GT 2+2
70 Jahre Ferrari, Teil 5: 575 Superamerica
70 Jahre Ferrari, Teil 6: 275 GTB
70 Jahre Ferrari, Teil 9: 512 BBi
70 Jahre Ferrari, Teil 12: 365 GTB/4 Daytona

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